Allein dieses schreckliche Wort: Strapazierfähigkeit. Und so ist es zumeist ein Widerspruch in sich, dass Bezugstoffe anschmiegsam und weich sein sollen wie beispielsweise das Tuch eines Anzugs und doch alle Eigenschaften besitzen, die man üblicherweise von Polstermöbeln erwartet: scheuerbeständig, lichtecht und reibecht, keine elektrostatische Aufladung und die Verhinderung des sogenannten Pilling, damit die guten Stücke möglichst lange ansehnlich bleiben. Also war bislang meist viel Chemie im Spiel. Eine ganze Industrie hat sich darauf spezialisiert, durch die entsprechende Ausrüstung der Fasern für den gewünschten Schutz zu sorgen.

Das Flexform-Sofa „Wing“ mit einem Bezug aus Cashmere
Das Flexform-Sofa „Wing“ mit einem Bezug aus Cashmere
Walter Knoll setzt bei dem wieder neu aufgelegten Klassiker 375 auf Velours, um dem Lobby-Sessel den besonderen Charme der 1950er Jahre zu verleihen.
Walter Knoll setzt bei dem wieder neu aufgelegten Klassiker 375 auf Velours, um dem Lobby-Sessel den besonderen Charme der 1950er Jahre zu verleihen.

Besonders hautschmeichelnd war das im Regelfall nicht, allenfalls durch Wolle mit Beimischungen von Mohair, dem als leicht, weich, schmiegsam und wärmend empfundenen Edelhaar der Angora-Ziege. Um die ästhetischen und funktionellen Grenzen von Textilien auszuloten und neue Antworten geben, präsentieren deshalb verschiedene Hersteller Kollektionen, die durch aus der Modeindustrie entlehnte Stoffe spürbar mehr Komfort versprechen. Klar, Samt ist wieder da, aber es gesellen sich auch andere Materialien dazu, die sich so einladend anfühlen wie ein Kaschmirmantel. Als Trendsetter präsentiert sich insbesondere Minotti. Die möbeltaugliche Weiterentwicklung des traditionellen schottischen Tweed ist ein großes Thema. Webmuster aus unregelmäßig gestrichener Wolle verleihen hier den Bezugstoffen ein besonderes Aussehen, das an ein maßgeschneidertes Kleidungstück erinnern soll. Auch Gewebebilder wie Fischgrad tauchen auf. Verarbeitet werden in der neuen Kollektion unter anderem Kammwolle, Baumwollsatin, Leinen, Baumwollchenille oder Viskose.

Das samtbezogene Sofa „Sloane“ von Fendi Casa.
Das samtbezogene Sofa „Sloane“ von Fendi Casa.
Der Sessel „Creed“ von Minotti in zwei Varianten: Der besonders weiche, langfasrige Bezugstoff „Leopold“ (in grau) enthält Mohair. Der andere Stoff „Freedon“ (in orange) hat eine tweedähnlicheTextilstruktur.
Der Sessel „Creed“ von Minotti in zwei Varianten: Der besonders weiche, langfasrige Bezugstoff „Leopold“ (in grau) enthält Mohair. Der andere Stoff „Freedon“ (in orange) hat eine tweedähnlicheTextilstruktur.