Das prachtvolle Portal des Grandhotels.
Das prachtvolle Portal des Grandhotels.

Wohnst du angemessen, oder übernachtest Du nur? Was Hotels betrifft, lässt sich diese Frage in der Regel bereits im Eingangsbereich beantworten. Dieser vermittelt durch seine Architektur, Möblierung, Dekoration und Größe schon im ersten Augenblick, wo man zu Gast ist. Das gilt für Hotels im allgemeinen, spezieller für Grand- und Palasthotels und besonders auch für „The Savoy“ in London, eine der Ikonen des internationalen Hotelgewerbes. Wer sich fühlen möchte wie ein wahrer Gentlemen, der steigt hier ab. Man schreitet durch die hölzerne Drehtür hinein auf den polierten Marmorboden im klassischen schwarzweissen Schachbrettmuster, der seit dem 18. Jahrhundert in den reichen Haushalten Londons in Mode war, nimmt die prächtigen Säulen wahr, spürt die Patina der Mahagonipanelen an den Wänden, alles in weiches Licht getaucht von golden schimmernden Stofflüstern.

Die Eingangshalle mit einem Marmorboden im klassischen schwarz-weissen Schachbrettmuster.
Die Eingangshalle mit einem Marmorboden im klassischen schwarz-weissen Schachbrettmuster.

Kaum hat man die Halle betreten, ist das hektische Treiben der britischen Finanzmetropole wie weggeblendet. Man fühlt man sich angekommen in einer Oase der Entspannung und Erholung mitten im betriebsamen Herzen Londons. Wie in einem prächtigen Privathaushalt vermitteln bequeme Polstermöbel, dekorative Beistelltische und sorgsam platzierte Kunstgegenstände schon im Eingangsbereich ein Gefühl von Behaglichkeit, das durch aufwändige Blumenarrangements abgerundet wird. Es gibt keinen Tresen, an dem sich eintreffende Gäste stauen –Anmeldung und Check-out erfolgen diskret im Nebenraum an verschiedenen Schreibtischen aus Edelholzfurnier. Eine Sünde, hier seinen Trolley selbst hindurch bugsieren zu wollen. In Palasthotels wie dem Savoy zu wohnen, heißt, den ganzen Service völlig selbstverständlich in Anspruch zu nehmen, und der beginnt stilgerecht schon vor der Tür bei der Versorgung des Gepäcks.

Das Thames-Foyer
Das Thames-Foyer

Im Prinzip ist es ganz einfach: Je mehr sich die gleichförmigen und auf Effizienz getrimmten Kettenhotels auch im Luxussegment breit machen, desto interessanter wird als bewusst gewähltes Kontrastprogramm der Aufenthalt in einer der Juwelen jener Zeit, als man noch mit Schrankkoffern zu reisen pflegte. Die Fairmont-Gruppe als Betreiber des Savoy setzt darauf, dass eine bestimmte Kundschaft immer genau das will, was es kaum noch gibt. Flachbildschirme, Designermöbel und sprechende Minibars auf den Zimmern sind inzwischen genauso wenig etwas Besonderes wie die aufgeplusterten Fashion-Hotels mit den Namen von Modeschöpfern, in denen das Personal oft besser gekleidet ist als die Gäste, aber nicht weiß, wie das Verdeck eines „Morgan Plus 4“ ordentlich geschlossen oder ein Lamborghini Aventador LP 750-4 Superveloce gestartet wird. Im Savoy kann man davon ausgehen, dass man hier fachkundig Hand anlegt an automobile Kronjuwelen und das Fahrzeug entsprechend achtsam in eine gesicherte Parkgarage verbracht und nötigenfalls auch noch penibel ausgesaugt wird.

Der Savoy Tea Shop.
Der Savoy Tea Shop.

Kurzum: Was einst die gekrönten Häupter zu schätzen wussten, kann heute nicht verkehrt sein, nämlich eine Bühne zu bieten mit Glanz und Gloria, auf der sich ein jeder mit genügend Cash fühlen darf wie ein Fürst auf Urlaub. Gleichzeitig musste aber so modernisiert werden, dass das Haus bezüglich Komfort, Ausstattung und Architektur Schritt halten kann mit den Errungenschaften des 21. Jahrhunderts, die da vor allem heissen: Klimaanlage, Spa und WLAN. Energiesparlampen und Duschköpfe mit reduziertem Wasserdurchlauf sind auf jeden Fall tabu.

Die Suite im Stil von Eduard VII. bietet einen herrlichen Blick auf die Themse.
Die Suite im Stil von Eduard VII. bietet einen herrlichen Blick auf die Themse.

 

Das 1889 eröffnete Savoy hat einst Könige, Staatsmänner und Legenden aus der Welt der Bühne und des Films beherbergt und damit genügend „Heritage“, um als eines der ersten Häuser in London zu gelten. Es hat einige der bekanntesten Bars und Restaurants der Stadt zu bieten, darunter die American Bar und den Savoy Grill. Viele der insgesamt 268 Zimmer und Suiten bieten einen atemberaubenden Blick auf die Themse und die City of London.

Bereits 1246 sprach König Heinrich III. den Streifen zwischen dem Strand und der Themse dem Onkel der Ehefrau des Königs, Peter Graf von Savoyen, zu. Peter hat den Savoy-Palast am Ufer errichtet und seither verbindet sich sein Name mit diesem Ort.

Über 600 Jahre später wählte der Impressario Richard D’Oyly sich diese Stätte für ein neues Theater, um dort die berühmten Opern seiner Freunde Gilbert und Sullivan aufzuführen. Er wählte den Namen Savoy-Theater für das neue Gebäude und fortan waren die Produktionen als die Savoy-Opern bekannt. D’Oyly Carte hat seine Shows lange Zeit in Amerika produziert. Er war von den neuen Hotels, in denen er dort wohnte, so beeindruckt, dass er sich entschloss bei seiner Rückkehr nach London ein eigenes Hotel zu errichten. Nach einer Bauzeit von fünf Jahren wurde das neue Savoy am 06. August 1889 eröffnet. Es war eine Sensation.

Der Reading-Room.
Der Reading-Room.

Das erste echte Luxushotel Londons, The Savoy, war auch das erste mit elektrischem Licht. Es hatte die ersten elektrischen Aufzüge, die Gästezimmer waren über Sprachrohre mit dem Diener, dem Zimmermädchen, den Etagenkellern sowie mit dem anderen Teil des Hotels verbunden. Später war das Savoy das erste Hotel, das die meisten seiner Zimmer mit privaten Badezimmern en Suite anbieten konnte. Das Savoy-Badezimmer war für die Kaskadendusche und die sich schnell füllende Badewanne berühmt.

Das Wasser in den Badewannen läuft besonders schnell ein.
Das Wasser in den Badewannen läuft besonders schnell ein.

D’Oyly gelang es den bekannten Hotelmanager César Ritz für sein neues Wunderhotel zu begeistern. Dieser brachte Auguste Escoffier mit, den besten und gefeiertsten Koch jener Tage, der die Herrschaft über die Küchen übernahm. In den frühen Jahren zählten Sarah Bernhardt und Dame Nellie Melba zu den Gästen; für sie kreierte Escoffier den berühmten Toast Melba als sie Diät hielt, und die Pfirsiche Melba, als sie es nicht tat. Oscar Wilde wohnte hier mit seinem Freund Lord Alfred Douglas. Häufig war auch der Prinz of Wales mit seiner Entourage hier zu Gast. Im Jahr 1904 war das Hotel ein solcher Erfolg, dass es um das neue von Thomas Colcutt gestaltete Gebäude am Strand erweitert wurde; die American Bar und der Savoy Grill zogen in diesen neuen Teil des Hotels um. Der Jugendstil hielt Einzug und das Edelstahlschild, eine Ikone, wurde 1929 über dem Savoy Court angebracht.

In den Bädern wartet eine Auswahl edler Pflegeprodukte mit blumig holziger Note von Le Labo.
In den Bädern wartet eine Auswahl edler Pflegeprodukte mit blumig holziger Note von Le Labo.

Auch Film- und Theaterstars haben „The Savoy“ geliebt. In diesem Hotel traf die Engländerin Vivien Leigh zum ersten Mal ihren künftigen Ehemann, Sir Laurence Olivier. Aus Amerika kamen Stars wie Al Jolson, Errol Flynn und Katharine Hepburn und aus Frankreich Josephine Baker und Coco Chanel. Währen des II. Weltkrieg speiste Winston Churchill häufig mit seinem Kabinett in diesem Hotel und bis zu seinem Tod im Jahr 1965 war er im zweiten Restaurantclub des Savoy, The Other Club, ein oft gesehener Gast. Bei einem Empfang im Savoy wurden Prinzessin Elizabeth und Lt. Philip Mountbatten das erste Mal zusammen gesehen. Als aus der Prinzessin einige Jahre später die Königin wurde, fand der größte und eleganteste Krönungsball Londons im Savoy statt.

Das Kaspars Seafood Bar & Grillrestaurant.
Das Kaspars Seafood Bar & Grillrestaurant.

Dieses neue Elisabethanische Zeitalter bescherte dem Savoy eine neue Generation Schauspieler, Filmstars und Politiker. Zu den glamourösesten gehörten: Elizabeth Taylor, Sophia Loren und Marilyn Monroe. Mit Gästen wie Louis Armstrong, Marlon Brando und Jane Fonda bis hin zu den Beatles und Bob Dylan swingte das Savoy in die 1960er Jahre. Noch heute gibt es die Tafeln, auf denen die besonderen Wünsche dieser Gäste notiert sind – Lieblingsgetränke, Lieblingsblumen, Lieblingsspeisen.

Im Dezember 2007 schloss das Savoy die Pforten, um sich einer kompletten Renovierung zu unterziehen; und am 10. Oktober 2010 wurde das Haus in neuem prachtvollen Glanz wieder geöffnet. Die aufwändigste Renovierung der britischen Hotelgeschichte hat sich gelohnt: Viele alte Stilelemente wie Zierleisten, Einbauten und Beschläge wurden erhalten und sind in das neue Design eingeflossen. Über 400 Einrichtungsstücke wurden ausgebaut, restauriert und wieder im Savoy eingebaut. Zudem gibt es jetzt ein modernes Spa mit einem Pool.

Nach dem Umbau verfügt das Savoy über einen grosszügigen Spa mit Therapieräumen und Pool.
Nach dem Umbau verfügt das Savoy über einen grosszügigen Spa mit Therapieräumen und Pool.

In den luxuriösen Zimmern und Suiten wurde den beiden Stilrichtungen des Hotels – das Zeitalter Edward VII. und Art déco – Rechnung getragen, und Tradition und modernste Technologien dezent miteinander verwoben. Der Designer Pierre Yves Rochon hat für die Einrichtung ausschließlich beste Materialien gewählt, von den Muranolüstern bis hin zu den Wandaccessoires aus Seide, über italienische Bettwäsche und Marmorfußböden. Die geräumigen Badezimmer sind mit den berühmten Savoy-Regenduschen und Signatur-Accessoires aus dem Haus Miller Harris ausgestattet.

Der berühmte Marlene-Dietrich-cocktail.
Der berühmte Marlene-Dietrich-Cocktail.

Im Rahmen der Renovierung wurden auch die Restaurants und Bars, denen das Savoy einen Teil des Renommees zu verdanken hat, wieder glanzvoll ins Leben gerufen. Für den Savoy Grill hat sich der Designer Russell Sage von den Glanzzeiten des Restaurants inspirieren und die Original-Art-déco-Einrichtung aus den 1920er Jahren restaurieren lassen. Die Speisekarte des Chef-Patron Stuart Gillies und des Chefkochs Andy Cook ist von den klassischen Grill-Room-Gerichten inspiriert. Auf der Karte finden sich auf der Holzkohle gegrilltes Chateaubriand mit Pommes Soufflés, Krabben- und Garnelencocktail, Limonen- und Schokoladensoufflé und die Pfirsich-Melba-Eiskreation.

Temptation Wheel.
Temptation Wheel.

Leger und gleichzeitig luxuriös – so lässt sich das Konzept des neuen Restaurants Kaspar’s Seafood Bar & Grill beschreiben. Das stylische Interieur im Stil der 20er und 30er Jahre hält die Erinnerungen an die glamouröse Vergangenheit des Hotels wach: eine Decke aus Blattsilber, Art déco-Spiegel an den Wänden, kupferne Geländer, Säulen aus Muranoglas und Marmorböden erzeugen ein elegantes und leichtes Ambiente.

Cocktail in der berühmten American Bar.
Cocktail in der berühmten American Bar.

Die American Bar, weltweit eine Ikone unter den Cocktail-Bars, war Heimat legendärer Barkeeper wie Ada ‚Coley‘ Coleman und Harry Craddock, der das Savoy Cocktail-Book geschrieben hat welches noch heute als die Bibel der Barkeeper gilt. Jeden Abend tritt in der Bar ein Live-Pianist auf, der American Jazz zum Besten gibt. Die Beaufort Bar hingegen verbreitet altmodischen Glamour. In theatralischem Schwarz und geprägtem Gold gehalten, dreht sich in diesem Art-déco-Interieur alles um Champagner, Cocktails und Cabaret.

Barkeeper Joseph Lewis White zelebriert ein Whiskey-Tasting.
Barkeeper Joseph Lewis White zelebriert ein Whiskey-Tasting.

Der Wurzelgrund für das Bedürfnis, ein solches Hotel ein paar Nächte lang als Domizil zu wählen, liegt in der Möglichkeit, damit der glatten durchdeklinierten Effizienz zu entfliehen. Bei einem Hotel wie dem Savoy geht es nie allein um die Übernachtung, es geht vor allem um das Ambiente, das ganze Drumherum, das Wohnen als Erlebnis an sich. Daher sollte man genügend Zeit einplanen für Musestunden und die besonderen Angebote. Einfach den späten Nachmittag vertrödeln beim High Tea im Thames Foyer, die mit köstlichen Sandwiches und Törtchen gefüllten Etageren zu probieren und währenddessen das bunte Treiben der Gesellschaft zu beobachten, kann genauso lohnend sein wie die Teilnahme an einer Whisky-Masterclass. Geführt von dem Experten Joseph Lewis White eröffnet sich bei der Verkostung ganz unterschiedlicher Spezialitäten aus schottischen Brennereien ein neuer Erfahrungshorizont, was die gleichermaßen reiche und differenzierte Geschmackspalette der traditionsreichen Spirituose betrifft.

Vom Sayoy aus sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Londons schnell zu erreichen.
Vom Sayoy aus sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Londons schnell zu erreichen.

 

INFO

The Savoy

Strand

London WC2R 0EU, Grossbritannien

Tel.: + 44 (0)20 7836 4343

Fax: + 44 (0)20 7836 2398

E-Mail: savoy@fairmont.com

www.fairmont.com/savoy

Doppelzimmer ab 559 Euro