Die Berechnungen des World Water Development Berichts der Vereinten Nationen lassen wenig Gutes erahnen. Demnach leben bereits heute 3,6 Milliarden Menschen auf der Erde in Regionen, in denen es zumindest einen Monat im Jahr zu Wasserknappheit kommt. Bis 2050 werden es sechs Milliarden Menschen sein. Dass eine globale Wasserkrise für das World Economic Forum das fünftgrößte Risiko in den kommenden Jahren ist, kann da kaum verwundern.

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Wie ernst die damit verbundenen Herausforderungen sind, verdeutlichen einige Zahlen. Weltweit liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch laut dem Umweltbundesamt bei rund 3.800 Liter pro Tag, der Durchschnitt hierzulande beträgt etwa 3.900 Liter. In den USA sind es sogar 7.000 Liter. Darin enthalten ist nicht nur das direkt verwendete Wasser, die Menge liegt laut Ökoworld bei rund 121 Liter pro Tag und pro Kopf in Deutschland, sondern auch das so genannte virtuelle Wasser, das in den Produkten und Dienstleistungen enthalten ist, die wir jeden Tag nutzen oder verzehren.

So stecken in einem Kilo Rindfleisch nach Angaben der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz etwa 15.500 Liter Wasser, in einer Tasse Kaffee 140 Liter oder in einem Kilo Baumwolle 11.000 Liter. Deutschland ist über diesen Weg übrigens nach den USA der zweitgrößte Wasserimporteur der Welt – obwohl wir hierzulande reich an frischem Wasser sind. Doch steht diesem hohen Verbrauch nur ein begrenztes Angebot gegenüber. Zwar ist die Erde zu zwei Drittel mit dem kühlen Nass bedeckt, aber lediglich drei Prozent davon sind Süßwasser und davon wiederum ist nur ein Bruchteil Trinkwasser.

Die Nachfrage zieht kontinuierlich an: Zwischen dem Jahr 2000 und 2050, so Schätzungen von Pictet Asset Management, wird der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft und den Kommunen um das Dreifache ansteigen, in der Industrie um das Doppelte. „In der Tat geht der Bedarf mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und der Zunahme der Weltbevölkerung überproportional nach oben“, macht auch Nedim Kaplan, Fondsmanager des Ökoworld Water for Life, klar. „Wenn Sie jetzt noch den Einfluss des Klimawandels berücksichtigen, der in ohnehin trockenen Gebieten zu noch weniger Niederschlägen führt, dann läßt sich erahnen, welche Probleme auf uns zukommen.“ Im Nahen Osten zum Beispiel übersteige die Entnahme von Grundwasser den natürlichen Zufluss durch Regenfälle derzeit schon deutlich.

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Es braucht also dringend Lösungsansätze. Tatsächlich gibt es die auch. „Allein in der Landwirtschaft werden heute 70 Prozent des Wassers weltweit verbraucht“, erläutert Walter Liebe, Senior Investment Advisor bei Pictet Asset Management. „Aber mit intelligenten Bewässerungssystemen lässt sich dort der Verbrauch deutlich reduzieren.“ Andere Beispiele sind Themen wie die Wasseraufbereitung, Hersteller von Sensoren, mit denen sich der Schadstoffgehalt im Wasser messen lässt oder der Bereich Transport. Schließlich geht durch undichte Rohre viel Trinkwasser auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Rund 41 Billionen US-Dollar, so eine Schätzung der OECD, müssten zwischen 2005 und 2030 weltweit in Infrastrukturprojekte insgesamt investiert werden, die Hälfte davon allein in die Wasserversorgung.

Mit anderen Worten: Unternehmen, die Lösungen in diesem Bereich anbieten, könnten von der Notwendigkeit, die Herausforderung der Wasserknappheit anzugehen, durch steigende Umsätze und Erträge profitieren.

Genau diese Idee liegt auch den diversen Wasser-Fonds und –ETFs zugrunde, die am Markt verfügbar sind. Am längsten macht dies der Pictet Water, der auf Sicht von zehn Jahren laut Morningstar eine Rendite von rund 7,5 Prozent pro Jahr gebracht hat. „Wir wollen uns mit dem Fonds nicht die Knappheit der Ressource Wasser zunutze machen, sondern in Lösungen investieren und zugleich eine attraktive Rendite erwirtschaften“, macht Liebe klar. Mögliche Zielfirmen können Wasserversorger sein, die in die Infrastruktur investieren und stabile Cashflows und Dividenden bieten, aber auch Technologiefirmen.

Ein Beispiel für ein Tech-Unternehmen ist Xylem. „Dessen Tochter Pure Technologies hat einen akustischen Sensorball entwickelt, mit dem undichte Stellen in Wasserleitung aufgezeigt werden. Um ein Leck zu reparieren, muss man damit nicht mehr die ganze Leitung freilegen, sondern nur noch ein kleines Stück von vielleicht fünf Metern“, so der Investmentexperte. Das spart Kosten. Eine andere Xylem-Tochter wiederum stellt intelligente Wasserzähler her und kann mit Wasserdrucksensoren und der Analyse großer Datenmengen prognostizieren, wo ein Rohr brechen wird. „Das heißt, es ist damit möglich, einem Wasserrohrbruch zuvorkommen.“

Nicht im Portfolio enthalten sind dagegen umstrittene Wasserabfüller wie Danone oder Nestlé. „Zum einen ist der Anteil des Wassergeschäfts zu klein, zum anderen ist für uns das Abfüllen von Wasser in Flaschen keine Lösung des Knappheitsproblems“, erklärt Liebe.

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Eine Alternative zu aktiv gemanagten Fonds sind Exchange Traded Funds (ETF), die Indizes auf Wasseraktien abbilden. Ein Beispiel dafür ist der iShares Global Water ETF, der Zugang zu den 50 größten und liquidesten börsennotierten Firmen weltweit bietet, die in den Bereichen Wasserversorgung und -aufbereitung tätig sind. Nachteil ist bei Indexprodukten allerdings, dass es für den Anleger oft schwer nachzuvollziehen ist, ob tatsächlich alle dort enthaltenen Unternehmen einen nachhaltigen Umgang mit Wasser pflegen. 

Wer in diesem Punkt auf Nummer Sicher gehen will, der kann sich zum Beispiel auch den Ökoworld Water for Life näher ansehen. „Bei uns ist zunächst ein Nachhaltigkeitsresearch vorgelagert“, erklärt Kaplan. „Dort werden jene Firmen herausgefiltert, die unseren Kriterien in Puncto Nachhaltigkeit entsprechen.“ Im zweiten Schritt sucht Kaplan in dem so vorgegebenen Universum dann Unternehmen heraus, die ein Teil der Lösung des Problems der Wasserknappheit sind und fundamentaler Sicht attraktiv aussehen und zudem eine Wachstumsstory bieten.

Dazu zählt ebenfalls die Firma Xylem, beispielsweise aber auch der Dax-Konzern Henkel oder der Hersteller von Autowaschanlagen Washtec. „Henkel hat ein Waschmittel entwickelt, mit dem sich der Wasserverbrauch im Vergleich zu früher halbieren lässt“, erzählt Kaplan. „Ähnlich ist es bei der Firma Washtec, die nicht nur den Wasserverbrauch bei der Autowäsche reduziert, sondern auch noch das Abwasser aufbereitet und eine herausragende Marktstellung hat.“ Anleger können dabei also sehr sicher sein, dass sie tatsächlich einen Beitrag zur Lösung des Wasserproblems leisten.

TEXT // GERD HÜBNER