Es gibt ein paar Weisheiten bei Wohnimmobilien, die sich so leicht nicht aus den Angeln heben lassen: Die Welt, betrachtet aus den Panoramascheiben eines ikonischen Bauwerks wie das der Hamburger Elbphilharmonie, sieht anders aus als die üblichen Luxusappartementhäuser jener pragmatischen Investorenarchitektur, die sich hineindrängt in gewachsene Wohnviertel und an der Stelle des abgerissenen Bestands mit viel Glas und Beton das zeitgenössische Mantra von Urbanität, gestalterischer Strenge und konformistischem Luxus singt. Geschmackliche Unterschiede sind hier meist eingeebnet und bewegen sich auf einem schmalen Grat einer Uniformität, die heute zwar als modern empfunden wird, aber schon nach zwei Generationen ihr gestalterisches Verfallsdatum erreichen könnte.

Magischer Anziehungspunkt: Die Loggia mit ihrer offenen, skulptural gefassten Stimmgabelform,

Anders die Elbphilharmonie, mithin die wahrscheinlich spektakulärste Immobilie der Hansestadt. An der Westspitze der HafenCity thront sie auf dem Backsteinblock des historischen Kaispeichers A, wo früher Kaffee und Kakao gelagert wurden. Wer hier eine Wohnung sein eigen nennt, verfügt über ein Unikat in einmaliger Lage, in einem nicht reproduzierbaren Wahrzeichen der Stadt mit erheblichem Wertsteigerungspotenzial.

Der Blick aus der Küche in den Essbereich hinein.
Dinieren mit Blick über den Hafen.

Das 110 Meter hohe, von Herzog & de Meuron entworfene Bauwerk enthält neben drei Konzertsälen ein Hotel mit 244 Zimmern, verschiedene Gastronomiebereiche und in 50 bis 110 Metern Höhe 44 Eigentumswohnungen, die derzeit zum Verkauf stehen. Von diesen soll hier die Rede sein. In der Westspitze gelegen, sind die grandiosen Ausblicke über Hafen, Elbe und Hansestadt unverbaubar. Die Fensterfronten sind spektakulär. Sie bestehen aus jeweils zwei Scheiben, von denen zahlreiche unterschiedlich gewölbt und gebogen sind. Zum Sonnenschutz und aus gestalterischen Gründen ist zudem jede Scheiben mit einem individuellen Raster bedruckt. Dadurch ist von außen der Eindruck eines gewaltigen Kristalls entstanden, der den Himmel, das Wasser und die Stadt immer wieder anders reflektiert.

Hume hätte die Wohnung einrichten können mit Pomp, Trompetenglanz und Paukenschlägen. Aber sie entschied sich für die zarten Töne.

Die Raumkonzepte der zwischen 120 bis 400 Quadratmeter großen Wohnungen sind vollkommen auf die Panoramen ausgerichtet worden. Unweigerlich stellt sich das Gefühl ein, sich in einem majestätischen Adlerhorst zu befinden, entrückt von den klaustrophobischen Widrigkeiten einer Großstadt mit ihrem Lärm und ihrer Enge, das Schauspiel eines Welthafens mit seinen zuverlässig ein- und ausfahrenden Ozeanriesen cinemaskopisch zu Flüssen.

Vom Arbeitstisch (Heijden Meubel) aus hat man das Gefühl, als würde man über der Elbe schweben.
Das Homeoffice bei Nacht.

Hier, in der Elbphilharmonie, wird ein urbanes Residieren zelebriert, das den Schutz des Privaten zur wesentlichen Prämisse erhoben hat. Für die künftigen Bewohner ist alles auf Diskretion eingestellt – vom eigenen Entree, über die Lobby mit Concierge-Service und einer nur für die Bewohner reservierten Garage. Dieser Filter, der die öffentlichen Bereiche des Bauwerks von dem Wohnbereich trennt, ist Teil des Konzeptes.

Master-Bedroom mit einem Venere-Schminktisch von Galotti & Radice.
Das Bett im Masterbedroom.
Marmor im Master-Bathroom.

Mit dem Aufzug geht es nach oben in die 18. Etage, wo die Interior-Designerin Kate Hume das größte der Apartments als Musterwohnung eingerichtet hat. Die gebürtige Britin unterhält ihr Büro in Amsterdam und hat in Residenzen von Moskau über Dubai bis Prag ihre kosmopolitische Handschrift hinterlegt. Im Apartment der Elbphilharmonie ist von den Möbeln über einen ledernen Boxsack im Fitnessbereich bis hin zu Vasen, Bettwäsche und dem passenden Geschirr alles mit stilsicherer Hand zu einer wundervollen Partitur des modernen, zeitlosen Wohnens verbunden worden. „Die Ausgangslage war für uns ganz ausgezeichnet“, schwärmt Kate Hume. „Man gab uns ein Höchstmaß an gestalterischer Freiheit.“

Herrschaftlich: Der mit Serpentinit verkleidete Küchenblock von Eggersmann.

Zunächst einmal nahm sich die Designerin Zeit, das Panorama und die unterschiedlichen Lichtstimmungen auf sich wirken zu lassen. „Auffällig waren für mich diese grünen Kupferdächer und Kirchtürme rund um die Alster, typisch für Hamburg. Dann fiel mir das Kobaltblau auf, mit denen die Elbdampfer nachts beleuchtet sind“, sagt sie. „Diese Farbwelt wollte ich als Motiv in der Einrichtung weiterführen.“ Entstanden ist eine besondere, nuancenreiche Farbstimmung des Einrichtungskonzeptes, die sich mit den hellen Eichendielen und den verschiedenfarbigen Natursteinen in den Bädern kongenial ergänzt. Das Grün der Kupferdächer im der Umgebung findet in der Möblierung genauso seine Entsprechung wie die Farben des Wassers und des Himmels. Als Kontrast tauchen Fliedertöne, Gold und dunkle Hölzer auf.

Zentrales Gestaltungselement der Wohnung: der markante Küchenblock.

Hume hätte die Wohnung einrichten können mit Pomp, Trompetenglanz und Paukenschlägen. Aber sie entschied sich für die zarten Töne, für wohldosierte Brüche und Glanzlichter, die als leichtes, filigranes Stickmuster besorgt sind um unbeschwerte Eleganz. Um im Bild der Partitur zu bleiben: Ihre gestalterischen Instrumente sparen die offensive Dramatik aus, sondern überlassen die Hauptrolle dem äußeren Panorama, verstehen sich als geschickt reflektierender Resonanzboden dessen, was als wechselnde Lichtstimmung durch die vielen raumtiefen Fenster nach drinnen strömt und mit seinen Reflektionen und Schattenwürfen quasi automatisch für Atmosphäre sorgt. Für Kate Hume galt es, der großzügigen Raumaufteilung mit dem nahezu trapezförmiger Grundriss nicht entgegenzuarbeiten, sondern ein stilvolles Etui zu schaffen für das Kostbarste in der Wohnung: Den Ausblicken nach Süden, Westen und Norden. Ein magischer Anziehungspunkt der Wohnung sind die gläsernen Loggien mit ihrer offenen, skulptural gefassten Stimmgabelform, welche die scheinbar unregelmäßige, wabenförmige Gestalt der Fassade erklären.

Ein magischer Anziehungspunkt sind die gläsernen Loggien mit ihrer offenen, skulptural gefassten Bullaugenform.

Wer die Räumlichkeiten betritt, erreicht quasi zwangsläufig die große offene Küche von Eggersmann, die als mit Serpentinit verkleideter Riegel herrschaftlich den Raum dominiert und zum geselligen Beisammensein einlädt. Ins Innere des Baukörpers hinein schließt sich eine zweite kleinere Küche an für Vorratshaltung und Vorbereitung; daneben befindet sich ein Haushaltsraum. Die Küche selbst kann durch zwei gläserne Schiebetüren jeweils von Wohn- bzw. Essbereich abgeteilt werden. Linker Hand befindet sich das Esszimmer mit markanten, türkisweiß bezogenen Stühlen von Paulo Antunes und einem farblich korrespondierenden Teppich von Tai Ping. Von dort aus wurde die Blickrichtung auf den Hafen ausgerichtet und liefert als Logenplatz frei Haus das Spektakel der glitzernden Lichter am Abend und in der Nacht. Ebenfalls Richtung Süden liegt der Gästetrakt mit einem Schlafzimmer und einem Bad.

Wohnzimmer mit Sofas von Minotti.

Das Wohnzimmer selbst wurde in drei Bereiche gegliedert. Visueller Ankerpunkt sind hier die beiden geschwungenen Seymour-Sofas von Minotti, die ihren Platz auf einem blau-violetten Teppich (ebenfalls Tai Ping) finden und von filigranen Beistelltischen begleitet werden. Ausreichend weit entfernt befindet sich am Fenster ein markanter Arbeitstisch mit absolut privilegiertem Blick auf die Schiffsanleger der Elbe. Der Tisch mit seiner hochglanzpolierten Platte ist ein eigener Entwurf von Hume und ihrem Mann Frans van der Heijden. Auch andere Objekte in der Wohnung stammen aus der Kreativwerkstatt des Duos. Gegenüber ist der Platz für die beiden blau bezogenen Fernsehsessel. „Eine Wohnung einzurichten, deren spätere Besitzer man nicht kennt, ist immer eine Herausforderung“, resümiert Kate Hume. Man könne in diesem Fall allenfalls die künftigen Bedürfnisse antizipieren, sagt sie. Dazu gehört in ihrer Vision für die öffentlichen Räume die Verknüpfung von repräsentativer Gastlichkeit mit der intimen Behaglichkeit inselartiger Rückzugsorte. Das Sideboard mit Vinylplattenspieler, aber auch die Leseecke vor einem ansprechend bestückten Bücherregal sind die perfekte Entsprechung dieses Leitmotivs. In allen Räumlichkeiten gibt es reichlich Kunst, zu Verfügung gestellt von einem Hamburger Sammler. Als weitere Blickpunkte dienen exquisite handgeblasene Vasen und andere ausgewählte Accessoires.

Blick von der Küche zur Bibliothek und zum Dining-Room.

Nach Norden erschließen sich durch einen abtrennbaren Flur die privaten Räumlichkeiten mit Master Bedroom, Ankleide- und Badezimmer sowie einem Fitnessraum mit Sauna. Komfort und Rückzug stehen hier obenan, die Möblierung mit einem Boxspringbett von Savoy-Beds und Morrison-Nachtischen von Minotti wirkt fast feminin. Wer sich am Boxsack abarbeiten oder vor der Spiegelwand seine Yogaübungen absolviert, kann dabei weit hinüberschauen auf das alte Hamburger Wahrzeichen – den Michel.

 

Fakten

Einheiten: 44 Eigentumswohnungen

Position im Gebäude: Etagen 11 bis 26

Größe der Wohnungen: zwischen 120 und 400 Quadratmeter

Kaufpreis auf Anfrage

Kontakt: Engel & Völkers Hamburg, +49 40 36099690

https://www.engelvoelkers.com/de-de/hamburg/alster-elbe/

Investoren: Quantum Immobilien und Hochtief Infrastructure

Zur Person

Kate Hume, in England geboren und in Amsterdam ansässig, gründete ihr Studio 1998 zusammen mit ihrem Mann, dem niederländischen Fotografen Frans van der Heijden. Für eine internationale Kundschaft schafft sie Interieurs, die ebenso elegant wie vielseitig sind und sich immer auch am Charakter des jeweiligen Gebäudes orientieren.

Die Designerin Kate Hume

www.katehume.com

www.heijdenhume.com