Wie die Londoner Designerin Nebihe Cihan an der New Yorker Park Avenue für einen Kunstsammler ein spektakuläres Zuhause geschaffen hat.

Je höher eine Wohnung gelegen ist, desto intensiver ist in der Regel das Licht. Das gilt für ein steil herausragendes Gebäude wie den Wohnturm an New Yorker Park Avenue 432 ganz besonders. Es befindet sich im Herzen von Manhattan zwischen der 56. und 57. Straße und ist der höchste Wohnturm der westlichen Hemisphäre. Entworfen von dem uruguayischen Architekten Rafael Viñoly, wird das Bauwerk durch ein Raster von zehn Quadratmeter großen Fenstern definiert, die einen Sichtbetonrahmen umschließen, der an einen schlanken Betonkern gebunden ist. Hierdurch entstanden stützenfreie Innenräume für 104 Luxusresidenzen, die alles andere als dunkel sind und das Innenleben mit schönen Ausblicken auf den Central Park versorgen. 

Das Masterschlafzimmer mit einem Grandemare-Bett von Flexform.

Hier, im 48. Stockwerk, hat sich ein internationaler Geschäftsmann und Kunstfreund einen einzigartigen Wohntraum erfüllt. Geholfen hat ihm dabei die Designerin Nebihe Cihan, eine gebürtige Türkin, die 2016 das gleichnamige Londoner Nebihe Cihan Studio gründete und sich auf Retail-Design und das High-End-Wohnen in ikonischen Stadtlandschaften spezialisiert hat. Schlichtheit und Luxus sind in ihren Entwürfen untrennbar miteinander verbunden, wobei der Schwerpunkt in erster Linie auf der Architektur des Gebäudes liegt, kombiniert mit den Bedürfnissen ihrer Kunden.

Der Essbereich mit Gipsy-Tisch und Morgan-Stühlen von Flexform.

In diesem Fall galt das besondere Augenmerk einer exquisiten Sammlung von Kunstwerken, zu denen Skulpturen der britischen Künstler Tony Cragg und Richard Deacon gehören, Gemälde von Idris Khan und eine Neoninstallation der walisischen Konzeptkünstlerin Cerith Wyn Evans.

Die Skulptur des britischen Künstlers Tony Cragg ruht auf einem eigens für die Wohnung gefertigten Sockel aus geschliffenem Calacatta-Oro-Marmor.

Um zum Beispiel die Tony-Cragg-Skulptur zu präsentieren, entwarf sie einen speziellen Sockel aus geschliffenem Calacatta-Oro-Marmor, der in Bergamo, Italien, handgefertigt wurde. „Der Kunde hatte eine klare Vorstellung davon, was er aus ästhetischer Sicht wollte“, sagt Nebihe Cihan. „Ihm war wichtig, dass die Kunst im Mittelpunkt steht, fast so, als ob man sich in einem etwas intimeren Museum befindet.“

Eine farbenprächtige Arbeit des Koreaners Kyungha Ham schmückt die Diele.

Bei der Gestaltung der Wohnung galt es also, eine fein austarierte Aufmerksamkeitsbalance zwischen den spektakulären Blicken nach draußen, den beindruckenden Kunstwerken und der Möblierung herzustellen. So habe sie sorgfältig darauf geachtet, eine Einrichtung zu wählen, die das jeweilige Kunstwerk mit neutralen Farbtönen und satten Oberflächen ergänzt.

Die Ballion-Skulptur stammt von Gimhongsok. das Gemälde von Nicky Nodjourmi.

Nebihe Cihan, deren Arbeit eher wenig Verspieltes anhaftet, sondern sich klar und gradlinig darstellt, ist es trotz aller minimalistischer Noblesse in dem Penthouse gelungen, auch einladende Komfortzonen zu definieren. Sehr gut geeignet schienen ihr hierfür verschiedene Stücke aus der Flexform-Kollektion. Der italienische Luxusmöbelhersteller ist bekannt für die zurückhaltende Eleganz des Designs von Antonio Citterio und für exzellente Handwerkskunst. „Flexform-Möbel sind sowohl skulptural als auch komfortabel“, schwärmt Nebihe Cihan. „Ich habe die einzelnen Stücke mit luxuriösem Kaschmir und butterweichem Leder in neutralen Farbtönen individualisiert, um den Blick auf die Aussicht und die Kunstwerke zu lenken“, sagt sie. 

Vom Wohnzimmer geniesst man einen atemberaubenden Ausblick auf die Skyline von New York. Als Sofa wählte die Designerin Nebihe Cihan das Modell Groundpiece, kombiniert mit dem Bangkok-Hocker und dem Fly-Couchtisch von Flexform.

Das lichtdurchflutete Wohnzimmer bietet einen unvergleichlichen Blick auf die Skyline der Stadt. Hier fand als entspannender, informeller Ruheplatz ein Flexform-Bestseller Verwendung, das Groundpiece-Sofa mit seinen niedrigen und tiefen Sitzflächen. Es wurde mit einem eleganten Ecru-Stoff bezogen und mit dem Bangkok-Hocker und dem Fly-Couchtisch kombiniert. Die Cestone-Konsole wurde zusammen mit einem Magi-Daybed, Guscioalto-Soft-Sesseln und einem Thomas-Sessel, die um einen Zefiro-Couchtisch gruppiert sind, hinter dem Sofa platziert.

Im Gästezimmer sogt das Eden-Plus-Bett für eine behagliche Stimmung.

Der Gipsy-Tisch, umgeben von dunkelbraunen, ledergepolsterten Morgan-Stühlen, nimmt im Esszimmer einen Ehrenplatz ein. Der dramatische Kronleuchter stammt von Damien Langlois-Meurinne. Das Grandemare-Bett mit seinem großzügig gepolsterten Kopfteil befindet sich im Schlafzimmer und ist mit Gipsy-Beistelltischen und einem Guscio-Sessel mit einer Ottomane zum Wohlfühlen ausgestattet. Das Gästezimmer beherbergt das Eden-Plus-Bett, das sich durch ein großes Kopfteil aus dunkelbraunem Rindsleder auszeichnet und mit Jiff-Beistelltischen kombiniert wird.

Die Neon-Licht-Skulptur im Flur stammt von Cerith Wyn Evans. Darunter eine Bank des Architekten Vincenzo de Cotiis.

Ihre Designinspirationen holt sich Nebihe Cihan auf ausgedehnten Reisen und durch ihre Liebe zur Kunst sowie ihr großes Interesse für Geschichte. „Ich habe viele Jahre in New York gelebt“, sagt sie, „sogar in der 57. Straße. Meine Inspiration für dieses Projekt war New York City selbst und das Leben eines Kunstsammlers. In einer geschäftigen Stadt wollte ich ein Gefühl der Ruhe erzeugen.“

TEXT//THOMAS GARMS FOTOS//MATT HARRINGTON

ZUR PERSON

Nebihe Cihan wurde in Adana, Türkei, geboren und studierte Innenarchitektur an der Parsons School of Design (USA). Als High-End-Retail-Designerin arbeitete sie für Catherine Malandrino in New York, danach war sie für Michael Kors als Senior-Designerin für die global aktive Abteilung Store Design & Development tätig. 2016 gründete sie das Londoner Nebihe Cihan Studio und betreute internationale High-End-Wohnimmobilien.