Gross werden die Dinge oft erst durch das Kleine, die Details. Denys Courtier, Executive Director des Grandhotels La Mamounia in Marrakesch, hat sich diese Erkenntnis zum Prinzip gemacht. Der charmante belgische Hotelier, immer wieder auf´s Neue gestählt durch den Performance-Druck der internationalen Luxushotellerie, ist ein Manager, der kreativen Spürsinn, Stilgefühl, die Liebe zu den Gästen und unbedingte Serviceorientiertheit auf das Beste mit betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten zum Einklang bringen kann. Aktuell ist er verantwortlich für den wahrscheinlich bedeutendsten Klassiker unter den nordafrikanischen Hotels, eine schöne, aber durchaus auch herausfordernde Aufgabe angesichts anderer vorzüglicher Wettbewerber, die mit palastähnlichen Anlagen, maurischen Stilelementen, Marmor und vielen folkloristischen Verzierungen am Mythos von Tausendundeiner Nacht mitstricken wollen. Vorneweg etwa das „Royal Mansour“, das dem marokkanischen König Mohammed VI. höchstpersönlich gehört und rund 300 Millionen Euro an Baukosten verschlungen haben soll. Auch das außerhalb der Stadt liegende Palasthotel „Amanjena“ ist nicht von schlechten Eltern. Allerdings: Das „La Mamounia“, in einer sieben Hektar großen Gartenanlage gelegen, und nur wenige Gehminuten vom berühmten Gauklerplatz (Dschema al-Fna) und den Souks entfernt, ist nach wie vor das geschichtsträchtigste Juwel am Platz mit einem unerschütterlichen Strahlglanz und genau jenen liebevollen Details, die den Gast vom ersten Moment an in eine Zauberwelt entführen. Ein zarter Duft von Orangenblüten liegt in der Luft, von irgendwoher wehen gedämpfte Jazzklänge herbei.

Blick von oben auf den Pool mit dem angeschlossenen Frühstücksrestaurant.

Um die Anmeldeformalitäten zu erledigen, geht es zu einer diskret gelegenen Sitzgruppe, wo der Neuankömmling in einem samtbezogenen Fauteuil versinken und sich an kühler Mandelmilch laben darf, währenddessen die bildhübsche Rezeptionistin das Notwendige erledigt. Beim Gang zum Zimmer, vorbei an Mosaiken und Intarsien, Stuckaturen und Deckenmalereien, wird klar: die Schönheit der verbauten Materialien, die Lichtinszenierungen, die Wirkung der tiefgründigen Farben sind Teil einer Osmose, bei der es vor allem um eines geht: Wiedergutmachung für die Entbehrungen eines poesiebefreiten Alltags. So besitzt der Wohnpalast alles was es an atmosphärischen Zutaten braucht, damit sich vom ersten Moment an das Gefühl des Verwöhntwerdens einstellt, sich der Charme der Nostalgie wärmend entfaltet.

Die Baldaquin-Suite

Direktor Courtier legt größten Wert auf eine unverkennbare Handschrift, in der Luxusindustrie für gewöhnlich „Signature“ genannt. „Der Aufenthalt im La Mamounia soll eine bleibenden sensorischen Eindruck hinterlassen“, sagt Denyse Courtier, und so überläßt er die Beduftung der Räumlichkeiten genauso wenig dem Zufall, wie die Komposition der Hintergrundmusik. Nicht zu laut, nicht zu aufgeregt, von der rhythmischen Taktung und dem Sound genau angepasst, um beim Verweilen in den Räumlichkeiten mit ihren kostbaren muselmanischen Dekorationen, Säulengängen und plätschernden Brunnen recht bald in ein mondänes Daseinsgefühl zu verfallen. Der „Mamounia“-Duft wurde exklusiv von Olivia Giacobetti kreiert, die zu den besten Parfumeuren weltweit gehört. Ihre Philosophie: Einen Rohstoff nehmen, ihn von allem Überschüssigen entkleiden, um eine Duftnote zu erzielen, die perfekt abgestimmt ist, die sich eher leise anschleicht, als plump zu überwältigen. Nach diesem Prinzip bildet in ihrer Kreation „Fleur D’Oranger Intense De La Mamounia“das Aroma von Orangenblüten die Kopfnote, intensiviert durch eine Kombination aus weißen Blumen, Bergamotte, Jasmin und Mandarine. Als Basis dient das Zusammenspiel von Sandelholz und honigsüßem, leichten Moschus. Man wird fast süchtig danach: Wo immer man im La Mamounia steht und geht, der Duft verführt, beruhigt, öffnet die Schleusen zu einer längst vergessen geglaubten Offenbarung guter Gerüche.

Ein zarter Duft von Orangenblüten liegt in der Luft, von irgendwoher wehen gedämpfte Jazzklänge herbei.

Nichts in diesem Hotel stammt von der Stange. Die Fernbedienungen für die Fernseher stecken in handgenähten Saffianleder-Etuis, die Zimmerkarten werden in geprägten und wattierten Lederetuis verstaut. An jeder Tür sind als Symbol der marokkanischen Gastlichkeit herrschaftlich-antike Türklopfer-Ringe befestigt. Drinnen zwischen Bad und Schlafraum finden sich Mashrabiyahs, jene feingliedrigen Holzgitter aus der traditionellen islamischen Architektur, die für Raumbelüftung sorgen bei gleichzeitiger Wahrung der privaten Sphäre. Ähnlich einer Jalousie erlauben sie Blicke nach draußen, ohne den Betrachter selbst erkennbar werden zu lassen.

Kunstvoll geschmiedeter Türriegel.

Vor seiner Wiedereröffnung Ende 2009 war das Haus mehr als drei Jahre lang für 120 Millionen Euro einer Komplettrenovierung unterzogen worden, berichtet Courtier. Ziel sei es gewesen, sich von dem inzwischen etwas angestaubt wirkenden Art-déco-Design der letzten Verschönerungskur aus dem Jahr 1986 zu trennen, und sich nunmehr in einem Mix aus arabischen und internationalen Stilelementen zu präsentieren.  An manchen Tagen seien mehr als 1.000 Handwerker gleichzeitig auf der Baustelle im Einsatz gewesen, erzählt er stolz. Und es wurde kein Aufwand gescheut: Holz, Kalkputz, handgemachte Fliesen aus unverfeinertem weißen Ton, traditionell farbig glasiert und gebrannt, gehören genauso zu den Baumaterialien wie großflächige Stuckaturen im maurisch andalusischen Stil und viel Naturstein, insbesondere Marmor. Besonders schön präsentieren sich dem Auge die zahlreichen subtil integrierten Zierelemente aus verschiedenen Edelmetallen wie Kupfer, Bronze, Zink, Nickel und Silber. Die Berberkultur mit ihren aus Buchsbaumzweigen geflochtenen Matten oder den ornamentalen Kelimkissen hat ebenfalls ihre Spuren hinterlassen.

Jeden Tag wird am Morgen die Wolle des gewaltigen safrangelben Teppichs in der Hauptbar von Hand gebürstet.

Komponiert wurde das gesamte Interieur von dem Pariser Architekten Jacques Garcia, natürlich nicht eklektizistisch, sondern als zeitlose Neuinterpretation weltverliebter Sinnesfreude. Jeden Tag wird am Morgen die Wolle des gewaltigen safrangelben Teppichs in der zentralen Bar von Hand gebürstet, bevor am Abend zum Cocktailstunde im Smoking eine Jazzcombo aufspielt und sich die in Schale geworfenen Gäste gegenseitig mit versteckter Neugier beäugen. Später, nach Sonnenuntergang, wenn draußen in der milden Nacht die Sokkulenten, Königs- und Dattelpalmen im Scheinwerferlicht erstrahlen, geht es zu einem der drei Restaurants. Zur Auswahl steht zeitgenössische italienische Küche unter Leitung des mit zwei Michelin-Sternen dekorierten Chefs Don Alfonso, ein klassisches französisches Spezialitätenrestaurant und das „Le Marocain“ mit der typischen marokkanischen Küche, die sich aus berberischen, andalusischen, afrikanischen, jüdischen und osmanischen Einflüssen zusammensetzt. Wer nach dem Dinner noch nicht müde ist, nimmt den Absacker in der Churchill-Bar mit ihrer jazzigen Club-Atmosphäre der 30er-Jahre. Gestepptes dunkelrotes Leder und edle Hölzer dienen als Wandverkleidungen, Sitzmöbel in einem Mix aus schwarzem Samt und Leoparden-Design sowie Fotos von legendären Jazzmusikern lassen das Flair vergangener Zeiten neu aufleben.

Die Churchill Bar

Benannt wurde die Bar nach dem britischen Staatsmann Winston Churchill, einem der berühmten Stammgäste des La Mamounia. Der Hausikone ist auch eine eigene 107 Quadratmeter große Suite gewidmet mit Blick auf die Gartenanlage, deren lichte Schönheit Churchill in seinen Musestunden gern festzuhalten pflegte. Jeden Winter saß der britische Premier auf dem Balkon und malte.

Natürlich hat die im britisch-marokkanischen Stil möblierte Suite neben einem Salon und einem Schlafzimmer auch ein kleines Büro, wo sich gegebenenfalls dringende geschäftliche Angelegenheiten erledigen lassen.

Blick auf das Atlasgebirge.

Auch andere prominente Zeitgenossen waren und sind gern im La Mamounia zu Gast. Das Spektrum reicht vom bloggenden It-Girl Chiara Ferragni über die Rolling Stones bis hin zu Hollywood-Größen wie Gwyneth Paltrow, Jennifer Aniston, Juliette Binoche und Orlando Bloom. Früher gaben sich hier Leute wie Nelson Mandela, Marlene Dietrich, Catherine Deneuve oder Alfred Hitchcock ein Stelldichein. Einige Szenen für „Sex and the City II“ wurden ebenfalls hier gedreht.

Im Winter saß der britische Premier Winston Churchill auf dem Balkon und malte.

Angefangen hat die Geschichte des Hauses 1923, als die marokkanische Eisenbahngesellschaft in den Gärten des Prinzen Moulay Mamoun – daher auch der Name – ein erstes Luxushotel in Marokko baute. Reichtum im Orient heißt Wasser und im Glauben der Marokkaner ist das Paradies nicht etwa der Himmel, sondern ein Garten, in dem viele Brunnen plätschern. Ausgiebiges Lustwandeln in dem an die Stadtmauern grenzenden Hotelpark ist deshalb obligatorisch, und sei es nur, um sich am Ende des von Dattel- und Orangenbäumen gesäumten Wegs an einem hübschen Pavillon ein Waffeleis zu holen und dann hinüber zu schlendern zu den hauseigenen Gemüse- und Kräuterbeeten, wo sich beispielsweise allerlei verschiedene Minze-Sorten zeigen.

Der Eingang zum Spa.

Letztendlich, so verrät es Denys Courtier, gäbe es viele Gäste, die die Palastanlage während ihres Aufenthaltes am liebsten gar nicht verliessen. Wer erlesenes Kunsthandwerk sucht, kann dieses auch im hoteleigenen Store erwerben statt sich bei Mörderhitze durch die Basare in den Souks zu drängen und sich als Mitbringsel Pfefferminz-Teekannen oder Schnabelschuhe aufschwatzen zu lassen. Dann doch lieber Quartier beziehen auf einer der Liegen am gewaltigen Pool. Auf der angeschlossenen Terrasse wird hier am Morgen auch das Frühstück gereicht.

Das Badezimmer einer Executive Suite.

Ruhe und Entspannung findet man in dem 2.500 Quadratmeter großen Spa – nicht nur innenarchitektonisch ein phantastisches Erlebnis, egal, ob man sich dort eine Massage gönnt oder im warmen Dampf des Hamam Verspannungen löst und sich durch die anschließenden Waschungen von Schlacken und Giftstoffen befreit. Allein das Bad in dem säulenbewehrten und mit allerfeinsten Mosaiken verzierten Indoor-Pool ist ein unvergessliches Erlebnis.

Man ist zu Besuch in einer Welt, die auf das Härteste unsere Verführbarkeit testet.

136 Zimmer und 71 Suiten hat das La Mamounia, 27.911 Quadratmeter Marmor und Naturstein wurden verlegt, das Porzellan stammt von J.-L Coquet und Deshoulières, dem Feinsten vom Feinen. Man darf also schwelgen in einer Ausstattung, die man sich edler und poetischer kaum vorstellen kann, ist zu Besuch in einer Welt, die auf das Härteste unsere Verführbarkeit testet.

Ein mit Mosaik verzierter Brunnen in der Lobby.

Das Morgenland ist groß und schön. Marrakesch, die alte Königstadt zu Füssen des schneebedeckten Atlasgebirges, leuchtet wie ein Stern mitten auf dunklem Himmel. Der Muezzin ruft, löst aus scheinbar allen Himmelsrichtungen das Echo anderer Muezzine aus. Die Welt hat wundersame Klänge, wunderschöne Kulissen. Für einen Moment schließt man die Augen, spürt, wie mit der Abenddämmerung eine kühle Brise herbeiweht vom atlantischen Ozean. Marrakesch präsentiert sich als magischer, friedlicher, gastfreundlicher Ort, wo noch alles in Ordnung scheint, man fest daran glauben möchte, dass das Schöne eigentlich immer genau da sein kann, wo verschiedene Kulturen einander willkommen sind.

Der Indoor-Pool schenkt magische Momente der Ruhe.

Marrakesch ist eine einzigartige Mischung aus klassischer Urlaubsoase, trendiger Metropole und Tausendundeiner Nacht. Nicht nur Kulturschätze mit Weltgeltung wie die Koutoubia-Moschee, die Saadier-Gräber oder der El-Badi Palast haben die Königsstadt berühmt gemacht, sondern auch das außergewöhnliche und vielfältige Hotelangebot. Denys Courtier hat große Pläne. Das La Mamounia soll vom Publikum jünger werden, noch internationaler – ein gesunder Mix aus Kulturreisenden, Designliebhabern, Ästheten, Ruhesuchenden und Genießern. In Kürze nimmt er für die Gäste seines Hauses eine nagelneue Limousinenflotte in Betrieb – bestehend aus Porsche Panamera. Schließlich sollen die Gäste ganz in Style vom architektonisch preisgekrönten Flughafen Menera zur Auffahrt des Hotels gelangen.

Die Terrasse Gallerie Majorelle.

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FAKTEN

La Mamounia

Avenue Bab Jdid, 40 040 Marrakesch, Marokko

Telefon +212 5243-88600

E-Mail informations@mamounia.com

Preis Zimmer ab 410 Euro für zwei Personen pro Nacht.

www.mamounia.com