Wie so oft trägt Francesco Rota auch diesmal ein dunkles Hemd zur dunklen Hose. Zum Treffen kommt er mit dem Motorradhelm unter dem Arm. Seit 2013 ist er als künstlerischer Direktor für Lapalma tätig, ein in Padua ansässiges Familienunternehmen, das sich auf den Büro-, Objekt- und Wohnbereich spezialisiert hat. Im gleichen Jahr hatte ihn das Magazin Wallpaper zu den fünf Designern des Jahres ernannt. 2015 erhielt er in Köln den Red Dot Award für das Polstersystem Move und auf den Möbelmessen überrascht er immer wieder durch ungewöhnliche neue Ideen. 2014 etwa präsentierte Rota das konkav-konvexe Bücherregal Mosaique sowie den imposanten Tisch Shade, dessen Beine Licht- und Schatteneffekte hervorrufen. 2015 entwarf der Mailänder die schalldämpfende Trennwand Build, als Modulpaneel für beliebige Zwecke einsetzbar, vom Bettkopfteil bis zur freistehenden Ergänzung für den Schreibtisch, sowie den von japanischen Tempeln inspirierten Holztisch Kanji. In dessen Mitte lassen sich Teile entfernen, die unter der Tischplatte Platz finden, und in deren Öffnungen man Servierplatten einsetzen kann.

Ein Meilenstein war auch das modulare Polstermöbelsystem Cloud für Lema, dessen unterschiedliche Elemente sich wie ein Puzzle um die zentrale Armstütze frei kombinieren lassen und das den Best of Year Award 2014 erhielt. Rota gilt aber auch als einer der Ersten, der Wohnraummöbel nach draußen brachte. Die niedrigen Sitze von Paola Lenti erschienen ihm perfekt für den Swimmingpoolrand und an der ligurischen Küste, wo er gern segelt, kam ihm die Idee für ein wetterfestes Material: Segeltau als ideale Kunststofffaser für diese Outdoormöbel. Einer anderen Leidenschaft gilt die Entwicklung neuer offener Arbeitsplatzkonzepte mit Kommunikationsinseln und der konsequenten Integration digitaler Werkzeuge. Das nonterritoriale Arbeiten ist für ihn immer weiter auf dem Vormarsch.

Wichtig im Arbeitsleben sind heute flache Hierarchien und eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen.

Gehören das eigene Büro, der eigene Schreibtisch zum Auslaufmodell?

Mit Sicherheit. Mobile Arbeitsplätze verdrängen immer mehr das klassische Büro als ein von der Sekretärin abgeschotteter Raum, wo die Größe des Schreibtischs, Aktenschränke und Sitzgruppen die Position des Mitarbeiters markieren. Wichtig sind heute flache Hierarchien und eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen.

Was kommt stattdessen?

Entscheidend sind heute innovative Raum- und Einrichtungskonzepte. An die Stelle des Büros als Ort des Arbeitens treten Orte mit einer flexiblen, vielfältig durchgestalteten Arbeitsumgebung.

Fast wie Zuhause: Das Sitzsystem Oort

 Warum?

Die digitale Revolution ermöglicht eine bislang unvorstellbare Mobilität. Der moderne Arbeitsort fördert die Bewegung, auch in den Köpfen der Leute. Je nach Erfordernis der Arbeit und persönlichen Wünschen wechseln wir zwischen verschiedenen Orten hin- und her. Im Zeitalter der Denk- und Kommunikationsarbeiter müssen Firmen den Einzelarbeitsplatz ebenso vorsehen wie verschiedene Begegnungsmöglichkeiten. Wir brauchen Bereiche, die lautstarke Diskussionen zulassen, aber auch Rückzugsräume bieten für das konzentrierte Arbeiten und vertrauliche Gespräche.

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr …

Entscheidend ist, was bei der Arbeit herauskommt, nicht wo diese erledigt wird. Deshalb soll man sich im Büro als temporärem Zuhause ebenso wohlfühlen können wie in der Wohnung. Das nonterritoriale Arbeiten ist auf dem Vormarsch. Wer darf, hetzt nicht mehr am Morgen durch den Berufsverkehr ins Büro, sondern erledigt Denkarbeiten möglicherweise erst einmal mit frischem Kopf zu Hause, nutzt dann die Fahrt in der Bahn, um Routinedinge zu erledigen wie Mails, und kommt schließlich ins Büro, um dort an Meetings teilzunehmen und Kollegen zu treffen.

Abhängen zum Nachdenken: Das Sitzsystem Plus.

Wie setzen Sie das um?

Highspeed-Internet und WLAN für jeden Mitarbeiter ist in modernen Unternehmen ebenso Standard wie Stromanschlüsse an allen Ecken und Enden. Variabilität und Individualität sind deshalb bei meinen Konzepten zentral. Für Lapalma habe ich verschiedene modulare Systeme entwickelt, die sich flexibel an die jeweiligen architektonischen Strukturen anpassen. Es gibt Tische, an denen mehrere gleichzeitig arbeiten können – mit verschiebbaren Trennwänden dazwischen. Außerdem bieten wir modulare Besprechungseinheiten mit Halterungen für Tablets oder Arbeitstische mit Induktionsflächen zum Aufladen von Smartphones.

Vernetzte Zeiten: Anschlussmodule im Tischsystem Acca.

Und die Sitze?

Das neue Stuhlsystem Uno hat eine Sitzfläche, die für alle Modelle gleich ist. Sie kann mit verschiedenen Rückenlehnen kombiniert werden und der Stuhl lässt sich mit Stoffen in unterschiedlichen Farben und sogar mit Alcantara beziehen. So entsteht ein breit gefächertes Angebot: vom Bürostuhl bis hin zum Loungesessel. Zum Abhängen, Austausch und Nachdenken gibt es verschiedene Hocker, Sofas und Sitzbänke, die sich zu einem Kreis zusammenschieben lassen.

Das neue Tischsystem Acca.

Wo bleiben die Akten?

Wir leben im Zeitalter des papierlosen Büros. Aber ich weiß: Je nach Beruf hat man immer auch einen Haufen Zeugs, das irgendwo untergebracht werden muss. Ich etwa als Designer habe endlose Mengen an Katalogen, Büchern, Bildern, Materialmustern und so weiter. Ohne Stauraum werden wir also auch in Zukunft nicht auskommen. Wie das Sitzsystem zeichnet sich auch das Stausystem ADD S durch Flexibilität bei der Zusammensetzung der einzelnen Elemente aus: Stauraumelemente aus Metall in verschiedenen Höhen können miteinander kombiniert werden. Diese Komponenten sind von beiden Seiten zugänglich und können daher frei positioniert werden. Durch die Auswahlmöglichkeiten bei den Türelementen kann man das sehr individuell konfigurieren.

 Ihr gestalterisches Credo?

Saubere Linien, Beschränkung aufs Wesentliche, minimalistische Eleganz und Produktion mit Spitzentechnologien.

Hocker für_Meetings in Hochgeschwindigkeit: Meetings: Ryo.

 Woher holen Sie Ihre Inspirationen?

Ich bin eigentlich ständig unterwegs und liebe das Reisen. Es gehört zu meinem Wesen, mich neugierig umzuschauen und mich beeinflussen zu lassen.

International erfolgreich: Die Lapalma-Chefs Romano und Dario Marcato.
Da kommt Freude auf: Näherinnen bei Lapalma.
Schweissarbeiten für die Metallgestelle bei Lapalma.

LAPALMA

Seit mehr als 30 Jahren produziert das von den Gebrüdern Dario und Romano Marcato geführte Unternehmen Einrichtungsgegenstände für den Wohn- und Objektbereich. Beispielsweise sind die Showrooms von Mercedes, Audi und Porsche mit Objekten von Lapalma ausgestattet. Handwerkliche Verarbeitung und Hightech sind bei der Herstellung konsequent miteinander verzahnt.

http://www.lapalma.it