Bei Kennern genießen die Luxusuhren von Parmigiani Fleurier einen besonderen Ruf. Durch neue, moderne Modelle sorgt Chef Guido Terreni für ausgezeichnete Performance.

Seit rund einem Jahr ist Guido Terreni der neue Anführer von Parmigiani Fleurier in der Maison Val de Travers. Die, die ihn gut kennen, beschreiben den bärtigen Manager als einen klugen Strategen, fordernd, hart in der Sache, aber gleichzeitig auch mit einem gewinnenden Charme ausgestattet. Er ist aus genau jenem Holz geschnitzt, das im rauen Wind des Wettbewerbs die notwendige Standfestigkeit verleiht. Die bei Luxusuhren recht mimosenhaften Zielgruppen ändern sich und das internationale Geschäft ist ebenso unübersichtlich wie wechselhaft. Eine Marke will sensibel und dennoch nachhaltig auf die Zukunft ausgerichtet sein; trotz der langen Produkt-Lebenszyklen braucht sie zugkräftige Novitäten, die weder die Marke verwässern noch zum Ladenhüter werden dürfen. 

Der Tonda PF Choreograph: 42 mm, 18k Roségold, Automatik-Manufakturkaliber PF070 mit Chronographenfunktion, Datumsanzeige und kleiner Sekunde | Referenz-Nr. PM020129

Da ist einer gefragt, der Ziele setzen, Händler begeistern und den Wettbewerb verblüffen kann. Und der am Ende auch für gute Zahlen sorgt. Halb Teppichhändler, halb Philosoph verfügt Guido Terreni genau über diese Eigenschaften. „Es war ein sehr intensives erstes Jahr“, bilanziert der gebürtige Italiener, „und eines, an das ich mich immer erinnern werde.“ Dies war nicht nur mit den pandemiebedingten Beschränkungen im Austausch mit den Mitarbeitern geschuldet. Sondern es hatte auch mit dem Willen zu tun, nicht einfach nur erprobte Rezepte aus der Schublade zu ziehen, sondern die ihm anvertraute Marke mit ihren Werten und Traditionen behutsam weiterzuentwickeln. Man spürt, dass dieser tatendurstige, gut gekleidete Mann mit diesem Job seine Erfüllung gefunden hat.

Meisterhaft konstruiert: Das Uhrwerk der Tonda PF Choreograph Steel.

Wie erfolgreich das derzeit gelingt, spiegelt sich unter anderem in der Tonda PF GMT Rattrapante wider, die gerade zur Genfer Uhrenmesser Watches and Wonders präsentiert wurde. Bei dieser raffinierten Armbanduhr lässt sich der Ortszeitzeiger durch Betätigen des Drückers in der 8-Uhr-Position mit dem Zeiger für die Heimatzeit synchronisieren. Bei jedem Push bewegt sich der für die Ortszeit vorgesehene obere Zeiger aus rhodiniertem Gold eine Stunde vor und gibt den Blick auf den roségoldenen Zeiger frei, der die Heimatzeit, also die Zeit am Wohnort des Trägers, anzeigt. Dieses neue Modell aus poliertem und satiniertem Edelstahl schmiegt sich seidenweich ans Handgelenk, elegant, dezent in der Optik und trotzdem von einer ausgeprägten Detailverliebtheit. Rückenwind erhält diese Innovation durch die im Herbst 2021 eingeführte Tonda PF, die in nur wenigen Monaten sämtliche Verkaufserwartungen übertreffen konnte. So sei, berichtet Terreni stolz, die gesamte Produktion des Jahres 2022 bereits ausgebucht.

Erfolgsmodell: Die Tonda PF GMT Rattrapante gehört zu den gefragtesten neuen Kreationen der Manufaktur.

„Ich denke, wir leben heute in einer neuen Ära der Uhrmacherkunst“, glaubt Terreni, ein gewiefter Ökonom, der sein professionelles Rüstzeug zunächst in der Lebensmittelindustrie erwarb, bevor er zu Bulgari wechselte und dort als Leiter der Uhrensparte tätig war. Bei Parmigiani ist er in der Haute Horologie angekommen und richtet sich einen kleinen, aber höchst anspruchsvollen Kreis von Connaisseuren. Auffällige Logos, plakativer Zierrat und Materialschlachten sind hier unerwünscht, es zählt der feine, diskrete Luxus, dessen Raffinesse nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar sein muss, sondern in einer Attitüde puristischer Eleganz verankert bleibt. 

Das neue siegelartige Logo auf dem Zifferblatt der Tonda PF Choreograph Steel.

Bei der Entwicklung besonderer Meisterstücke wie etwa der Tonda Résonance mit Minutenrepetition kann er auf eine Handvoll hochkarätiger Spezialisten zählen, die nicht auf den vordergründigen Effekt bedacht sind, sondern gradliniges Design mit raffinierten Besonderheiten zu verschmelzen. 

Bildschöne und wertvolle Uhr: Die Tonda PF Annual Calendar in Rosé Gold.

„Uhrenpuristen streben danach, ihr kreatives Vermögen zu entfalten und suchen nach interessanten Innovationen, so wie wir es bisher vielleicht nur in den 70er-Jahren erlebt haben“, erklärt Terreni. Niederschlag findet dieses etwa in neuen Kreationen wie die wunderschöne Tonda PF Flying Tourbillon mit ihrem Ton in Ton gehaltenen Gehäuse. Verborgen unter dem Edelmetall befindet sich das selbstentwickelte Manufakturkaliber PF517 – ein fliegendes Tourbillon mit Mikrorotor-Automatikaufzug. Der Mechanismus des Fliegenden Tourbillons gibt den Blick auf die Technik des Gangreglers frei und verleiht der Uhr eine bewegte Agilität. Zudem zeigt der Gehäuseboden aus Saphir einige der insgesamt 207 Teile, aus denen sich das mechanische Kaliber mit automatischem Aufzug zusammensetzt.

Tonda PF Flying Tourbillon.

Quer über die Straße gegenüber der historischen Maison mit ihren Granitstufen und Sockeln aus Kalksandstein befindet sich die Manufaktur und das Allerheiligste: die lichtdurchflutete Werkstatt des Unternehmensgründers Michel Parmigiani, inzwischen 72 Jahre alt. Der feinsinnige und bescheiden auftretende Meister zählt zu den genialsten Restaurateuren unserer Zeit. Bei der Berufswahl hatte er sich gegen Architektur entschieden, stattdessen faszinierte den Sohn italienischer Eltern die Feinmechanik der allerfeinst ausdifferenzierte Mikrokosmos der Uhrmacherei. Seine Karriere startete er an der örtlichen Uhrmacherschule in Fleurier, Studien am Technikum der Uhrenmetropole La Chaux-de-Fonds im Hochjura sowie an der Ingenieursschule Le Locle folgten. 

Einer der größten Restaurateure seiner Zeit: Michel Parmigiani im Atelier in Fleurier.

Mit der Zeit spezialisierte sich Michel Parmigiani neben Einzelanfertigungen auf die Wiederherstellung von Zeitmessern und mechanischen Objekten aus der Zeit zwischen der Renaissance und den 1930er-Jahren. Leiter von Uhrenmuseen und Privatsammler erkannten schon bald das herausragende Talent. So sind auch zahlreiche kostbare Stücke, die im Uhrenmuseum von Patek Phillipe zu besichtigen sind, durch Parmigianis Hände gegangen.

Den Durchbruch brachte eine kostbare, von Experten für irreparabel erklärte Sympathique Tischuhr von Abraham-Louis Breguet. Die erweckte Michel Parmigiani zu neuem Leben. Die Sandoz-Familienstiftung, Eigentümerin einer ebenso umfangreichen wie einzigartigen Sammlung historischer Uhren, wurde in den 1980er-Jahren zum wichtigsten Kunden.  

Das ebenso stilvolle wie geschichtsträchtige Stammhaus der Marke in Fleurier.

Mit jeder antiken Uhr, die er analysierte und zu neuem Leben erweckte, wuchs Parmigianis Kompetenz. Oft musste in mühseliger detektivischer Kleinarbeit nachempfunden werden, wie der ursprüngliche Mechanismus gedacht war, fehlende oder defekte Teile wurden speziell hergestellt. „Ein Bauteil neu zu machen wie es vor 120 Jahren gemacht wurde, setzt ganz besondere Fähigkeiten voraus“, sagt Terreni. „Für mich ist die Kunst der Restaurierung so etwas wie der schwarze Gürtel der Uhrmacherei.“

CEO Guido Terreni vor dem Stammhaus.

Michel Parmigiani deutet auf ein Regal. Dort stehen die umfangreichen Dokumentationen der von ihm restaurierten Stücke. Jeder Arbeitsschritt ist in den Büchern erfasst. Am Anfang die Beschreibung des Ausgangszustandes, festgestellte Beschädigungen, Vorher-nachher-Fotos, die in einem kleinen angegliederten Studio entstehen. Die während der Restaurierung gelösten Logikrätsel, Entscheidungen, Maßnahmen und verwendeten Bauteile lassen sich genauso nachvollziehen wie unerwartet große Schwierigkeiten bei der Instandsetzung. Schließlich können in einer Restaurierungsarbeit bis zu 5.000 Arbeitsstunden stecken, entsprechend teuer ist das dann auch. 

Die Kleinteiligkeit der Uhrmacherkunst setzt Geduld und Fingerspitzengefühl voraus.

Michel Parmigiani zeigt einige Stücke, die derzeit noch in seiner Werkstatt aufbewahrt werden, unter anderem eine vergoldete Schatulle. Einmal in Gang gesetzt, entsteigt einer runden, von Perlen eingefassten Öffnung ein winziger Paradiesvogel, der sich dreht und mit den Flügeln schlägt, während er eine Melodie pfeift. Am Ende taucht der Vogel wieder ab, die Klappe schließt sich.

Edles Werkstück: Eine roségoldene Lünette mit Saphirglas.

Michel Parmigiani ist vom Wesen her alles andere als ein hemdsärmeliger Managertyp, eher ein Poet, vom Wesen her leise, hintergründig. Gefördert und unterstützt von Pierre Landolt, dem Präsidenten der Sandoz-Familienstiftung, erfüllte sich im Mai 1996 ein Lebenstraum: Michel Parmigiani durfte seine eigene Marke Parmigiani Fleurier gründen mit der Philosophie, authentische Uhrmacherkunst auf höchstem Niveau zu pflegen. 

Entwurfsarbeit mit Skizzenblock und Bleistift.

Guido Terreni trifft sich regelmäßig mit dem Altmeister, holt in technischen und gestalterischen Fragen immer wieder dessen Meinung ein. „Ich betrachte es als ein ganz besonderes Privileg, wenn der Gründer eines Unternehmens noch so nahbar ist“, sagt er. Für Terreni eine Chance, sich immer wieder zu versichern, wie die Marke ihren Ursprung nahm und welche Kernwerte sie hat, eine wichtige Grundlage für das Narrativ im Verkauf. 

Präzisionsarbeit: Die Zifferblattbearbeitung durch ein Spezialwerkzeug.

Entscheidend für den Erfolg, so sagt er, sei die Bereitschaft, tiefer zu denken, den Dingen auf den Grund zu gehen. „Probleme lösen sich nicht von selbst“, so Terreni. Seine Maxime: beobachten, analysieren, verstehen, entscheiden. „Was macht eine Marke aus, wo hat sie ihre Stärke?“ Bei einer Uhrenmanufaktur wie Parmigiani müsse man immer im Auge behalten, wonach der Kunde sucht. „Wir wollen nicht Hunderttausenden von Menschen gefallen, sondern nur ein paar Tausend. Und diese Zweitausend Personen müssen sich wirklich in dich verlieben.“ 

Während große Hersteller zur Imageunterstützung häufig auf sogenannte Markenbotschafter setzen und etwa Hollywoodstars, Rennfahrer, Musiker oder DJs ins Feld führen, verzichtet Terreni bewusst auf solche Influencer-Maßnahmen. Ein prominenter Markenbotschafter sei immer eine Art von Abkürzung. Die Aura des Stars verliehen dem Objekt Ruhm, weniger die Eigenschaften des Objektes selbst. 

„Ich glaube nicht, dass jemand eine Parmigiani kaufen wird, weil er irgendeinen Star mit einer Uhr von uns sieht. Im Gegenteil: Unser Publikum legt Wert auf Understatement und Diskretion. Eine Parmigiani soll nicht von allen erkannt werden.“ Viel wichtiger für den Erfolg sei die Mund-zu-Mund-Propaganda. Aus seiner Sicht fungiere der Kunde selbst als wichtiger Botschafter der Marke. Er gelte in seinem Freundes- und Bekanntenkreis als jemand, der sich mit Uhren auskennt, und sei deshalb als Vorbild besonders glaubwürdig. 

In der Regel würde man bei Parmigiani Kunden ansprechen, die sich überdurchschnittlich stark für Uhren interessieren, im Laufe ihres Lebens nicht fünf, vielleicht eher fünfzehn Uhren kaufen. Damit verbunden sei ein besonderer, häufig sehr leidenschaftlicher Auswahlprozess. „Eine neue Uhr ist etwas, was man am Handgelenk erfühlen und genießen muss. Deswegen ist für uns der Komfort der Uhr besonders wichtig.“ Entscheidend sei das mühelose Tragegefühl, die Flexibilität des Armbands, die Art und Weise, wie das Gehäuse gebaut ist, um die Bandanstöße zu erhöhen und diese als Träger nicht zu berühren. Terrenis Credo: „Bei einem ultraflexiblen Armband ist nicht der Designer, der über die Form meines Handgelenks entscheidet, sondern umgekehrt.“  

Die Frage, ob er selbst Sammler kostbarer Uhren sei, verneint er.

Als wirklichen Sammler würde er sich nicht bezeichnen. Aktuell hat er eine Tonda PF in Stahl am Handgelenk. „Ich liebe es, Dinge zu tragen, die schön sind und mir Spaß machen.“ Als Chef einer Uhrenfirma sei man immer auch der vorderste Markenbotschafter, sagt Terreni, und von daher könne er niemals öffentlich das Produkt eines Wettbewerbers tragen, solange er in dieser Branche tätig sei. „Also macht es für mich keinen Sinn, etwas zu besitzen, was ich anschließend in der Schublade aufbewahre.“ Dennoch hat er spezielle Lieblinge, und zwar mit zwei Rädern. Motorradfahren ist Terrenis große private Leidenschaft, zuletzt ging es mit seiner BMW durch Patagonien. Die Welt entdecken auch mal abseits der ausgetretenen Pfade macht ihm Spaß und sorgt für neue Inspirationen.  

Eine andere Quelle der Entspannung ist für Guido Terreni die Musik. Früher sammelte er Platten, heute streamt er, was er gern hört. Vor allem ist das die Musik der 60er- und 70er-Jahre, Stücke aus der goldenen Ära der Rockmusik, etwa von der britischen Progressive-Rock-Gruppe King Crimson. Es sei die Mutter gewesen, eine Hobbypianistin, die ihm als Kind die Musik nahegebracht habe, erzählt er.   

„Das beste Konzert, das ich je erlebt habe, war in Mailand mit dem Gitarristen Robert Fripp, Gründer von King Crimson“, sagt er. Ein spleeniger Typ. Niemand habe ihn seinerzeit begleiten wollen. Also sei er allein gegangen. „Fripp leitete damals die League Of Crafty Guitarists. Die hatten 13 oder 14 Akustikgitarren. Das Konzert lief stundenlang und als es endete, wollte einfach niemand gehen. Fripp gab eine Zugabe, noch eine und noch eine, aber auch dann ging niemand. Schließlich war er derjenige, der weit nach Mitternacht nach vorn den Saal verließ und sich auf die Treppe vor dem Theater setzte, um dort als Fototermin für die Presse noch etwas zu spielen. Alle gingen mit ihm raus. Doch als er in den Saal zurückkehrte, folgten ihm alle wieder hinein“, erzählt Terreni lachend. „Das war ein unfassbares Erlebnis!“ 

Es ist diese Gabe der Menschenfängerei, die den Parmigiani-Chef bis heute prägt. Und so wird er auch nicht müde, die besondere Teamleistung im Unternehmen hervorzuheben. Er versteht sich als Bandleader, er gibt den Takt vor, aber die Musik, die machen am Ende alle gemeinsam. Aktuell hat die Kombo gerade ein paar wirklich eindrucksvolle Hits gelandet.

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