Fünfzigerjahre-Glamour trifft auf italienisches Top-Design: Patricia Urquiola hat für das Il Sereno am Comer See neue sensationelle Penthouse-Suiten gestaltet.

Perfektion ist selten Zufall, sondern in der Regel das Ergebnis von Leidenschaft und Kalkül. Ein schönes Beispiel dafür lässt sich in Torno am Comer See besichtigen. Hier befindet sich das im Sommer 2016 eröffnete All-Suites-Hotel Il Sereno, wo die Star-Designerin Patricia Urquiola in einem neuen Erweiterungsbau eine spektakuläre Penthouse-Suite vollendet hat.

Kreatives Paar: Il-Sereno-Eigentümer Luis Contreras mit seiner Frau Angelica.

Als Inspirationsquellen für das Interior dienten der glamouröse Stil der Fünfzigerjahre, wie er für Italien typisch war, sowie der Gefühlskanon von „La Dolce Vita“, modernistische italienische Designer, die Seidenherstellung rund um Como – und natürlich das Design des Il Sereno selbst. Canaletto-Walnuss für die Zimmerdecken, Verde Alpi für Steinmauern und eine Kombination von Ceppo di Gré und venezianischem Terrazzo für die Böden kennzeichnen unter anderem die Räumlichkeiten. Der am Lago d’Iseo abgebaute Stein Ceppo di Gré wurde bereits im Il Sereno verbaut – und zur Inspirationsquelle für Labels wie Oliver Peoples, Valextra und Valentino, die das Material in ihren Boutiquen auslegen ließen.

Grandoser Rundblick auf den Comer See aus den Penthouse-Suiten.

Die Auswahl der Möbel ist eine Verneigung vor den emblematischen Stücken italienischen Designs, vor der Tradition des lokalen Handwerks und der Architektur der Nachkriegsjahre. Die künftigen Gäste erwartet ein spannender Mix aus neuen Entwürfen der Brasilianerin Urquiola und Arbeiten, die im Rahmen ihrer letzten Designprojekte entstanden sind – darunter die Lariana-Badewanne, die sie ursprünglich für das Il Sereno entworfen hat und die nun von Agape produziert wird, sowie der Lud’o Lounge-Chair von Cappellini. Klassiker von Franco Albini, Gio Ponti und ihren Zeitgenossen vervollständigen das Ambiente. Einzigartig ist zudem die Möglichkeit, sämtliche Möbel der Suite käuflich zu erwerben.

Badezimmer in den Suiten mit der Lariana-Badewanne, die Patricia Urquiola ursprünglich für das Il Sereno entworfen hat, und die nun von Agape produziert wird.

Wie auch im Il Sereno wird in der neuen Penthouse Suite großer Wert gelegt auf zeitloses Design sowie auf eine Gestaltung, die sich auf die Einzigartigkeit des Ortes bezieht. Der Kerngedanke von Luxus findet seinen Ausdruck hier in Platz, Licht und einer spektakulären Aussicht auf den See.

Filigrane mit Samt bezogene Lehnstühle schmücken den Essbereich in den Suiten.

Die Verwendung natürlicher, aus der Region stammender Materialien war für Patricia Urquiola besonders wichtig. Auch die Wand des Schlafzimmers wurde mit Ceppo verkleidet, der durch Rillen eine besondere Textur erhält. Für den Wohnbereich hat man sich für einen anderen Stein aus der Region entschieden: Der grüne Verdi Alpi schmückt dessen Wände.

Naturstein ist Trumph: Der kostbare Verdi Alpi als Wandverkleidung.

Nachdem Marco Polo chinesische Seide mit nach Europa gebracht hatte, war Como der erste Ort der westlichen Welt, an dem Seidenwebereien entstanden. Noch heute werden in Como Seidenstoffe allererster Güte produziert. Patricia Urquiola hat sich für ihre Entwürfe von Kissen, Foulards und anderen Accessoires – die Gäste ebenfalls kaufen können –, von Schal-Dessins der Fünfzigerjahre sowie von Landschaftsmotiven rund um den Comer See inspirieren lassen. Auch die Seidenstoffe für die Uniformen des Personals in den bereits existierenden Sereno-Hotels sind von ihr designt, aber auch die Sitzbezüge in den hoteleigenen Booten aus der legendären Werft von Cantiere Ernesto Riva.

Ein Massivholz-Hocker als schmuckvolle Abstellmöglichkeit im Bad.

Die 150 Quadratmeter große Penthouse Suite, zu der eine 30 Quadratmeter große Terrasse sowie ein zusätzlicher, 50 Quadratmeter großer Grasgarten gehören, ist über einen eigenen Aufzug erreichbar. Die Wohnfläche ist aufgeteilt in einen großen Wohnbereich, einen Essbereich, zwei Bäder und ein Schlafzimmer, das Platz für vier Personen bietet. 

Der Boden des Schlafzimmers ist mit Terrazzo ausgelegt.

Die Detailfreude und gestalterische Qualität, mit der Urquiola in der ganzen Liegenschaft zur Sache ging, ist faszinierend. Sämtliche Suiten im Il Sereno wirken tatsächlich eher wie ein privater Wohnraum denn wie Räumlichkeiten im Hotel. Von der exquisiten Bettwäsche bis zur kostenfreien Biolimonade in der Minibar zeigt sich der unbedingte Wille, für den Gast den Aufenthalt im Haus so angenehm wie irgend möglich zu gestalten.

Der Barschrank aus Nussbaum greift den Naturstein Verdi Alpi auf.

Luis Contreras, der ursprünglich aus Venezuela stammende Eigentümer, macht vieles anders, dies aber entschieden kompromisslos. Lokales Handwerk hat bei ihm hohe Priorität. So wird beispielsweise die Frühstücksmarmelade von einem kleinen Familienbetrieb vor Ort am Comer See in Handarbeit hergestellt, Gleiches gilt für das fantastische Olivenöl. In der Lounge findet sich in den Regalen und auf den Coffeetables eine liebevoll zusammengestellte Sammlung von Bildbänden zu Architektur, Kunsthandwerk oder Bootsbau und anderen Liebhaberthemen.

Die von den Sixties inspierte Lounge lädt zum Verweilen ein.

Kostbare und perfekt aufeinander abgestimmte Accessoires ergänzen die Dekoration. Immer wieder kommt es auf die Details an: So stecken die Keycards für die Suiten in cognacfarbenen Kalbsledermäppchen. Die gleiche Lederfarbe taucht wiederum bei den im Tropical Chic gestalteten Loungechairs auf. Zu den architektonischen Highlights im Haupthaus zählen der begehbare gläserne Weinkeller und die zentrale Treppe mit ihren schwebend anmutenden Holzstufen. 

Das ikonisch erscheinende Treppenhaus mit den schwebend wirkenden Stufen.

„Für uns bedeutet zeitgemäßer Luxus ein hohes Maß an Privatheit“, erläutert  Contreras seine Philosophie. Das Hotel bietet deshalb ausschließlich großzügig geschnittene Suiten, von denen jede über eine eigene Terrasse verfügt und einen fantastischen Seeblick bietet. Inspiration war für den Eigentümer die dem Comer See literarisch zugeschriebene Reibung zwischen Komödie und Drama. Vieles ist hier heiter, so auch das Wetter. „Aber das kann immer wieder auch schnell umschlagen“, lacht Contreras. „Dann stürmt und regnet es gewaltig.“

Eine Seite des Restaurants ist durch markante Fensterbögen aus Stein zum See geöffnet.

Zu spüren ist die Brise in dem nach seinem Chefkoch Andrea Berton benannten Restaurant Berton Al Lago. Es ist in dem ursprünglichen, aus wuchtigem Gewölbestein gemauerten Sockel des Gebäudes gelegen mit offenen Fensterbögen zur Seeseite. Hier kann man während der Sommermonate bis in den späten Abend hinein bei Tageslicht dinieren. Durch gläserne Schiebetüren abtrennbar, gibt es noch einen klimatisierten Innenraum. Für Frühstück und Lunch bietet sich zusätzlich ein überdachter Open-Air-Bereich direkt am Ufer sowie auf der Terrasse an. Die Gourmet-Küche ist regional orientiert – für besondere Aromen bewirtschaftet Chef Berton höchstselbst einen kleinen, auf dem Hotelgrundstück angelegten Kräutergarten. Die Weinkarte präsentiert eine exzellente Auswahl italienischer Gewächse. 

Von dem Salon geht es hinaus auf eine geräumige Terrasse, die einen herrlichen Blick auf den See bietet.

Eine Mischung aus mediterranem und subtropischem Flair prägt die Außenanlagen des Il Sereno. Zum einen ist das Haus von einem üppigen, sonnenbeschienenen Garten umgeben, der fantastische Ausblicke auf den Comer See gewährt und mit seinen verborgenen Durchgängen zu kleinen Spaziergängen einlädt. Darüber hinaus gibt es zwei große vertikale Gärten sowie eine Pflanzenskulptur des berühmten Gartenarchitekten Patrick Blanc.

Aussenansicht des Il Sereno. Am Steg liegt eine Riva bereit für Rundfahrten.

Im Zentrum der Gartenanlagen befindet sich ein knapp 20 Meter langer beheizter Infinity-Pool, der von einem großen Sonnendeck flankiert ist. Ein kleiner Strandabschnitt in der Nähe des Pools bietet direkten Zugang zum See. 

Aufwändig mit Bildbänden und schönen Sammlerstücken dekorierte Regalwand im Wohnbereich der Suiten.

Während die anderen bekannten Luxushotels am Comer See eher der historischen Villenarchitektur verpflichtet sind, hat sich Contreras bewusst für eine moderne, minimalistisch geprägte Architektur entschieden. An der Stelle des Neubaus hatte sich zuvor eine alte Privatvilla befunden. Aus Mailand stammende Gäste seines von Christian Liaigre entworfenen Le Sereno auf St. Barthelemy hatten Contreras auf das Grundstück am Comer See aufmerksam gemacht. „Ich hatte den Comer See damals überhaupt nicht auf dem Zettel“, gesteht er im Gespräch. Er lebte damals noch in New York und war eher auf Immobilieninvestments in Miami South Beach fokussiert. „Das Beach Hotel auf St. Barth gehörte zuvor einem Sänger namens Mister Sereno, einem eifrigen Partygänger, der in Saint Tropez viel Geld unter die Leute gebracht hat.“

Bildbände und andere bibliohile Kostbarkeiten prägen die Atmosphäre im Hotel.

Neugierig geworden auf den Comer See, reiste Luis Contreras nach Italien und entschied sich relativ rasch, das angebotene Grundstück mit der einzigartigen Uferlage zu erwerben. „Mir war von Anfang an klar, dass ich hier etwas Außergewöhnliches im Stil des 21. Jahrhunderts bauen wollte“, sagt der Unternehmer. Viel Zeit verging, bis alle erforderlichen Genehmigungen erteilt waren. 

Auch die Zierkissen auf den Sofas wurden von Patricia Urquiola gestaltet.

Heute ist Il Sereno Mitglied bei Leading Hotels of the World. Ein großer Teil der Gäste kommt aus den USA, aber auch Schweizer und Deutsche lieben das Haus. Sehr freut sich Contreras über eine zunehmende Gruppe von Reisenden aus Australien.  Man versteht sich weniger als Familienhotel, sondern findet sein Kernpublikum bei stilbewussten Design-Aficionados, die hier Ruhe und Zurückgezogenheit suchen.  

Der Aussensitz einer Penthouse-Suite bietet luxuriöse Abgeschiedenheit. Im Hintergrund zeigt sich der subtropische Garten.

Im Fall der neuen Penthouse Suite sind die Voraussetzungen dafür besonders gut mit der luxuriösen Abgeschiedenheit, dem unvergleichlich schönen Blick auf den See und dem beeindruckenden Bergpanorama. Man entspannt sich auf dem Balkon und sieht von oben die bildschönen Mahagoni-Boote in ruhiger Fahrt vorbeiziehen, bis sich alle Verkrampftheiten und üblen Launen auf Nimmerwiedersehen verabschiedet haben.

TEXT//THOMAS GARMS

PHOTOS// IL SERENO, TED GUSHUE, SARA MAGNI

www.ilsereno.com

FAKTEN

Il Sereno Lago di Como

Via Torrazza, 10
22020 Torno, Como, Italien, Telefon +39 031 5477800 

Suite pro Nacht ab 800 Euro