Der neue Roma sieht verdammt gut aus und überzeugt als wunderbarer Tourenwagen

Ist der Ferrari Roma der erste Ferrari für Frauen? Auch wenn das vielleicht für manche Ohren entrüstungstauglich klingen könnte, stellt sich doch die Frage, ob wir mit diesem wunderschön gezeichneten 2+ Coupé des Cavallino Rampante mit Mittel-Front-Motor nicht doch eine gewisse Abkehr von der betont maskulinen, bisweilen kantig-aggressiven Attitüde anderer rennpistenhungriger Ferrari-Modelle feststellen dürfen.

Die Testpilotin im sportiven Look: Mantel von Burberry, Sneakers Belstaff, Look Liapure.

Denn dieses Auto fühlt sich trotz aller Power wie eine gut erzogene Raubkatze an. Es sieht phantastisch aus, überzeugt durch raffinierte Proportionen und ein zeitloses Design, gepaart mit unvergleichlicher Leistung und einem unkomplizierten Handling.

Der Kofferraum ist groß genug für aussagekräftiges Gepäck.

Entscheidend ist die relaxte Attitüde des Roma. Er möchte an den unbeschwerten, vergnüglichen Lebensstil im Rom der 1950er und 60er Jahre erinnern und hat – hier spricht die Fashionista – eine durchaus modische Attitüde. Natürlich auf High-End-Niveau. Frau hat nicht dieses „Hilfe-wo-ist-der-Schuhlöffel-Gefühl“. Klar, der Rocksaum kann schon ein Stückchen über die Oberschenkel rutschen beim Einsteigen. Aber eben nur ein bisschen. Dafür sorgt die etwas höhere Sitzposition.

Fußraum mit Pedalen und trittsicherem Schuhwerk.

Auch wenn es problemlos möglich ist und einen schönen Fuß macht, würde ich auch diesen Ferrari nicht mit Pumps fahren, sondern mit stilechten Carshoes. Statt dieser gummibesohlten Mokkassins taugen natürlich auch Sneakers. Aber bitte unbedingt barfuß tragen und nicht mit Füßlingen. In einem Roma sind Füßlinge ungefähr so unpassend wie eine Packung Ferrero Yogurette auf dem Beifahrersitz. Zu süß, zu viel lascher Magermilchjoghurt. 

Der Roma bietet eine höhere Sitzposition und ausreichend Kopfraum.

Zeit, den Startknopf zu drücken. Jetzt ist der Moment der Wahrheit gekommen, jetzt erlebst du, was es heißt, einen turbogeladenen V8 mit 3,8 Liter Hubraum und 620 Pferdestärken in den Wachzustand zu versetzen. Wie von einem Ferrari nicht anders zu erwarten, demonstriert das Triebwerk ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Allerdings nicht grell, nicht giftig, sondern mit der satten Überzeugungskraft eines Grand Tourismo, der es nicht nötig hat, sein Umfeld mit theatralischer Geste in Angst und Schrecken zu versetzen.

Nicht nur von hinten zeigt der Roma Zähne.

An der nächsten Ampel verrät der kurze Blick in die Gesichter von Skoda-Yeti-Fahrern und Konsorten schiere Ratlosigkeit. „Was soll das jetzt? Seit wann dürfen hier die Mädchen nebenberuflich Autoexpertin spielen?“ Einen Wimpernschlag später bin ich uneinholbar hinter dem Horizont verschwunden. Das distinguierte Überlegenheitsgefühl wird beim Roma definitiv serienmäßig mitgeliefert.

Alle wichtigen Parameter im Blick: Das perfekt gestaltete Cockpit des Roma.

Im Gegensatz zu anderen Ferraris, die ostentativ rund um die Frau, den Mann am Steuer konzipiert sind, besitzt das Cockpit des Ferrari Roma eine nahezu symmetrische Struktur. Dies sorgt für eine organischere Verteilung von Raum und Funktionen, sodass auch die beisitzende Person mehr in das Fahren einbezogen wird. Dieses sogenannte Dual Cockpit-Konzepts passt in die Zeit mit den riesigen Monitoren, die jede Menge elektronischen Spielkram enthalten.

Edel ausgeschlagener Innenraum.

Der Fahrer blickt auf digitale Instrumente vor dem Lenkrad und das Display auf der Mittelkonsole, der Beifahrer hat einen eigenen Bildschirm vor sich. Das Kombiinstrument umfasst einen vertikalen 16-Zoll-HD-Bildschirm, der durch seine gewölbte Form gut lesbar ist. In der Standardanzeige umschließen die Navigations- und Audioanzeigen den großen runden Drehzahlmesser. Schicker Effekt: Sobald ich das Auto abschalte, werden alle Anzeigen vollständig schwarz. Ziemlich praktisch ist das Touchpad auf der rechten Speiche des Lenkrads, mit dem man durch Anzeigenmenü des Kombiinstruments navigieren kann. 

Mittelkonsole mit Klimasteuerung.

Ob in der Stadt oder draußen auf der Landstraße: Schnell zeigt sich, dass der Roma gebaut wurde, um uns aller digitalen Spielereien zum Trotz die Sinnlichkeit des Autofahrens zurückzugeben. Das fängt bei dem unnachahmlichen Sound an, ein herrlich maskulines Kurren, geradezu sexy in meinen Ohren. Und es geht weiter, wenn es auf große Tour geht. Die Sprints auf der kurvigen und hügeligen Strecke sorgen für wunderbare Adrenalin-Ausstöße und es macht einen Heidenspaß, mit den Flappy-Paddles seine ganz eigene Drehzahl-Choreographie zu bestimmen. Beim Cruisen kommt man in einen entspannten Flow, es könnte ewig so weitergehen. 

Das V8-Triebwerk des Roma.

Der Innenraum besticht durch eine schöne Lederausstattung, der Sitzkomfort lässt keine Wünsche offen. Von außen betrachtet, imponiert die wie aus einem einzelnen Metallblock geformte Front mit dem Haifischnasen-Effekt. Ein Ferrari muss im Rückspiegel des vorausfahrenden Fahrzeuges gefährlich aussehen: Schnell rüberziehen, vorbeilassen, so das Signal. Das knuffige Heck mit den  schmalen Rücklichtern wirkt energisch und trotzdem elegant. 

Ferrari-Schriftzug im Rückfenster.

Übrigens, Information am Rande: Der Kofferraum ist mit seinen 272 Litern Volumen angenehm groß, die Chanel Jumbo Flap Bag, die mich bei der Ausfahrt begleitete, sieht da fast ein bisschen verloren aus. Mit dem Roma rückt Ferrari Wettbewerbern wie Porsche oder Aston Martin ein Stück weit auf die Pelle, und wenn bisher die eine oder andere automobilverliebte Schwester mit dem sportlichen Wohnzimmer-Rollgefühl eines Bentley Continental GT liebäugelte, gibt es jetzt eine ernst zu nehmende Alternative im automobilen Schönheitswettbewerb. 

TEXT UND PRODUKTION//GEORGINA MORENO

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