Ein Viertürer mit Eleganz und der Silhouette eines Coupés. Frankreich schickt mit dem DS9 eine luxuriöse und charmante Limousine auf die Boulevards dieser Welt

Im schönen Rheingau, ein feines Schloss als Refugium im Hintergrund und die Rebstöcke standen Spalier. Einen ganzen Tag öffneten und schlossen wir Türen, streichelten Gaspedale, mal ganz sanft, mal mit deutlichem Nachdruck. Eine französische Limousine, die schon bald die höchste Ebene einer Limousine erklimmen wird. Staatskarosse ist der falsche Ausdruck. Wir schreiben lieber über eine präsidiale Limousine, auch wenn die Ausmaße und der ästhetische Ausdruck diesen Franzosen eher ins Lager der elegant-filigranen Automobile stellen. Knapp fünf Meter Länge, ein Radstand von 2,90 Meter, die Knie können der Rückenlehne des vorderen Sitzes zuwinken. Huldvoll natürlich. 

Elegantes Design, schöne Lederausstattung. Die Augen bleiben unweigerlich am Zeitzeiger des Chronographen von B.R.M. hängen.

Wir sitzen zuerst in der Rivoli+-Variante des DS 9. Wir steigen zunächst hinten ein. Rechts natürlich. Der Vordersitz läuft nach vorn, so schnell es die Elektromotoren zulassen. Es summt ein wenig und dann ist Raum fast im Überfluss vorhanden. Dazu Massage unten und hinten, die Rückenlehne zieht sich vornehm zurück. Die Soundanlage kommt zu Wort und wenn man die Augen schließt, kommt es einem vor, als sei man in einem fahrenden Salon unterwegs. 14 Lautsprecher wurden im Innenraum platziert, auf dass keine Schallwelle ein Ohr verpasse. Focal JMLab aus Saint-Étienne hat sich des Innenraums angenommen und einen Konzertsaal in Miniausführung kreiert. 

Die Schaltung liegt gut in der Hand.

Und während man sich Gedanken über die Ästhetik des Innenraums macht, laufen die Handinnenflächen über Leder, sehr gutes Leder. Die Augen bleiben unweigerlich am Zeitzeiger des Chronographen von B.R.M hängen. Jenem kleinen Kunstwerk, das bei Aktivierung der Zündung seinen Auftritt hat, sich dreht, auf der Bühne namens Instrumententafel erscheint und dort auf ein Ah und Oh wartet.

Familiengeschichte: DS9 neu und der Ahne.

Draußen die zweite Bühne. Hinter dem Glas der Frontleuchten ein Ballett, je ein Trio pro Seite. Der Zeigefinger berührt den Knopf auf dem Schlüssel und sie tanzen, drehen sich, synchron, und sie leuchten. Im DS 9 als Selbstverständlichkeit, im DS 7 nur gegen ein Extrahonorar. Auch das ist DS, die Extravaganz als Grundnahrungsmittel. Die Raute, beim Mitbewerber im Logo verewigt, im DS allgegenwärtig. Als Signum der DS-Klasse und auch als ästhetische Antwort auf die Frage, weshalb einfachste Geometrie im Gedächtnis besonders gut haften kann.

Hinter dem Glas der Frontleuchten ein Ballett, je ein Trio pro Seite.

Es lockt die Straße, der Rheingau mit seiner malerischen Kulisse und die Windungen, in Asphalt gegossen, für eine kurze und sportliche Fahrt perfekt geeignet. Viel erklären müssen uns die DS-Leute nicht. DS-9-Interieur ist gleich DS-7-Interieur. Alle Schalter, Stellwalzen und Knöpfe sitzen an ihrem Stammplatz, natürlich edel glänzend und aus Metall. Plastik war gestern. Die Sitze gewohnt bequem und das Volant will man nicht Lenkrad nennen. Es ist diese Atmosphäre, die man mittlerweile der Marke DS fast automatisch zuordnet und die uns dem Begriff Savoir-vivre sehr nahe bringt. Der Vierzylinder läuft schon eine Weile, man hört ihn nicht. Es wurde gedämmt und abgeschirmt. Als säße man in einem Auto mit reinem E-Antrieb. Nur leichte Bewegungen sind spürbar, ein Vibrator im ersten Gang. Oh, là, là. 

Die Silhouette wirkt elegant und sportlich zugleich.

225 PS sind nun auf Tour, am Rhein entlang, stromaufwärts, ein paar Frachter verlieren das Rennen, 1,6 Liter Hubraum plus Turbopower. Es reicht allemal für den Landstraßen-Swing mit mittlerer Drehzahl. Der Vierzylinder schiebt und treibt den 1,5-Tonnen-Wagen leichtfüßig und lässig nach vorn. Das Fahrwerk, das nicht für den Rallye-Sport geeignet ist, lässt Neigungen zu, aber der Kaffee bleibt im Becher. Es ist mehr Swing als Tango, flüssig und in aller Ruhe. Eine Limousine eben, die den Menschen bewegt. Nur ist dieser Viertürer eben diesen Tick charmanter als viele seiner Kollegen. 

Das Heck mit eleganten Verzierungen aus Chrom und Positionsleuchten in den C-Säulen. Mit dem DS 9 wollte man in der oberen Mittelklasse einen Vertreter der französischen Lebensart platzieren. Das ist gelungen.

Die erste Auswechslung. Der Benziner verlässt das Spielfeld, der Hybrid läuft auf und gleich spüren wir diese Dualität der Ereignisse. Weniger Energieverbrauch und mehr Punch aus dem Keller. Der E-Motor lässt seine 110 PS ohne Anlauf, ohne Drehzahl zum Sturm antreten. Wir erleben keinen Orkan, eher eine Wallung, aber es reicht. Das Mehr an Masse ruht im Keller, treibt den Franzosen auf den Asphalt, und wir erkennen am Kaffeebecher, dass wir Kurven deutlich schneller durchlaufen. Die Zentripetalkraft treibt ans Kurvenäußere. Die Kooperation der beiden so unterschiedlich arbeitenden Motoren klappt vorzüglich. Wir kennen das schon aus dem DS 7 E-Tense. Und es macht Spaß. Solange die Batterie genug Energie gelagert hat. 

Der DS9 macht eine gute Figur als Reiselimousine. Spaß macht die beachtliche Ladefläche im Kofferraum.

Und nun der Sturm auf die Bastion deutscher Straßen. Mit 360 Pferden in der Kutsche rennen wir los. Im Sport-Modus, weil sich das so gehört. Und der DS liefert. Prompt, weil mit gleich zwei E-Motoren bestückt und, logisch, Allradantrieb. Traktion an der Ampel, ansatzloser Vortrieb und die Kollegen dahinter werden im Rückspiegel sehr, sehr klein. Das mag nicht dem französischen Stil entsprechen, aber wo steht geschrieben, dass man in Frankreich nicht mehr als nur schmunzeln darf? Der DS 9 E-Tense 360 jedenfalls steht der Frage nach dem Sinn des Ganzen recht amüsiert gegenüber. Er kann, er macht und er freut sich mit seiner Besatzung.

Die Lederpolsterung beeindruckt durch eine markante Steppung.

Am Ende der drei Dienstfahrten schauten wir in fragende, neugierige Gesichter. Wie es denn so gewesen sei? Es war gut, sehr gut sogar. Eine Limousine, die dank einiger Details der Göttin aus den guten, alten Tagen eine Verbeugung gönnt. Die Positionsleuchten zum Beispiel. Links und rechts an der C-Säule. Blinken dürfen sie nicht mehr, die Behörden mögen das nicht. Die Seitenansicht offenbart das Bedürfnis nach Eleganz des Franzosen. So wie sich die klassische DS weiter hinten in eine Art von Coupé verwandelt, so schafft dies auch der DS 9. Vorn auf der Motorhaube dann das „Schwert“. Eine Chromspange, die die Haube in zwei Hälften teilt und die eben diesen Touch an Extravaganz gleich zu Beginn des Wagens ins Auge wirft. 

Das markante Logo des DS9.

Allen dreien ist die Ästhetik gemein und die wirft sich mit absoluter Treffsicherheit in die Sensorik von Menschen, für die der Charme eines Automobils nicht nur optisches Beiwerk, sondern Teil des Ganzen ist. Dass frankophile Menschen diesem Charme dann auch erliegen werden, ist naheliegend und logisch. Trotzdem wagen wir eine Prognose, welche Variante des DS 9 hierzulande erfolgreich sein wird. Derzeit sicher der E-Tense 4×4 360. Der Preis ist dank einer Prämierung durch den Staat mehr als attraktiv. Abgesehen vom Preis ist die Mischung aus Design, Komfort und Sportlichkeit bei exakt diesem Model schon sehr attraktiv. 

Der DS 9 versteht sich als Frankreichs Antwort auf 5er, E-Klasse und A6.

Ein Anruf beim DS-Händler in Hamburg. Den DS 9 kauft man in Deutschland entweder als reinen Benziner oder als Plug-in-Hybrid und die Bandbreite an Motorleistung reicht von 225 bis 360 PS. Zwei Ausstattungsvarianten verwandeln den DS 9 entweder in eine Limousine mit sportlicher Aufmachung oder in einen schicken Salon. Man hat also die Wahl zwischen Performance oder Rivoli+. Die 360-PS-Limousine kann man erst ab Herbst 2021 ordern, geliefert wird dann Anfang 2022. Den 225 E-Tense kann man sofort bestellen, beim Händler abholen kann man den Plug-in-Hybrid im letzten Quartal 2021.  

FAKTEN

DS 9 PureTech 225

Motor Vierzylinder Reihe

Hubraum 1.598 ccm

Leistung 165 kW/225 PS

Antrieb Vorderräder

Top Speed 236 km/h

0–­100 km/h: 8,8 s

Verbrauch kombiniert 5,6 l/100 km

Preis in Deutschland ab 47.550,00 Euro

DS 9 E-Tense Plug-in-Hybrid

Motor 133 kW/180 PS

E-Motor vorn 81 kW/110 PS

Systemleistung 225 PS

Antrieb Vorderräder

Elektrische Reichweite max. 50 km

Top Speed 240 km/h

0–100 km/h 8,7 s

Verbrauch kombiniert 1,6 l/100 km

Preis in Deutschland ab 52.810,00 Euro

DS 9 E-Tense 4×4 360 Plug-in-Hybrid

Motor Vierzylinder Reihe

Leistung 147 kW/200 PS

E-Motor hinten 83 kW/113 PS

E-Motor vorn 81 kW/110 PS

Systemleistung 360 PS

Top Speed 250 km/h

0–100 km/h 5,6 s

Verbrauch 2,0 l/100 km

Preis in Deutschland ab 67.000,00 Euro