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Deutsche Botschaft

16. Januar 2026 Editorial Department3 Min. Lesezeit

 
Als wir das Restaurant von Mathias und Thomas Sühring Anfang 2024 zum ersten Mal besucht haben, das praktischerweise genauso heißt, wie seine beiden Chefs, war uns bereits nach der aufwändigen Amuse-Bouche-Orgie klar – was hier auf den Tisch kommt, hat das Zeug zu höchsten kulinarischen Weihen.

Der Speiseraum mit Blick in den tropischen Garten.

Damals leuchtete es über der ehemaligen Botschafterresidenz, eingebettet in einen üppigen Garten in Chong Nonsi, einem pulsierenden Subdistrikt im Bangkoker Yan Nawa Viertel, bereits zwei Michelin Sterne. Spätestens als das auf südthailändische Küche spezialisierte Sorn unter Autodidakt Supaksorn “Ice” Jongsri 2025 als erstes Restaurant im Land des Lächelns mit 3-Sternen ausgezeichnet wurde – sicher nicht zuletzt eine „politische“ Entscheidung – war dann endlich auch für die sympathischen Berliner Zwillingsbrüder der Weg in den Kocholymp frei. Gleichzeitig belegt das Sühring aktuell Platz 11 im angesagten 50 Best Restaurants of Asia Ranking und Platz 22 auf der 50 Best Restaurants of the World Liste. 

Üppiges Grün schmückt den Eingangsbereich des Sühring.

Dabei ist es nur auf den ersten Blick bemerkenswert, dass die Sührings in Bangkok ausgerechnet Neue Deutsche Küche auftischen. Ja, wir lehnen uns so weit aus dem Fenster zu behaupten, dass es unter Deutschlands 3-Sterne-Restaurants aktuell keines gibt, wo auch traditionelle deutsche Gerichte auf so innovative, geschmackvolle und ästhetische Art und Weise neu interpretiert werden wie von Thomas und Mathias Sühring.

Wildbeerenpastete mit Pistazien und Perigord-Trüffel.

Oder anders formuliert: Wollten wir einem erklärten Verächter teutonischer Kost vor Augen führen, zu welchen Höhenflügen dezidiert deutsche Spitzenküche fähig ist – das Sühring wäre unsere erste Wahl. Dazu trägt auch die Ästhetik der Teller bei, die beinahe an essbare Stillleben erinnern, die man kaum anrühren mag, so kunstvoll sind sie arrangiert. Freilich wäre das am Ende töricht, denn auch geschmacklich überzeugen die im Sühring aufgetischten Gerichte auf ganzer Linie; präsentieren sie sich doch ebenso subtil wie geschmacksintensiv.

Flussforelle mit Sauerampfer.

Vielleicht ist es aber auch gerade der Kontrast, den die Kulisse der südostasiatischen Millionenmetropole liefert, um das kulinarische Genie der Brüder – in dem stets auch eine Prise Humor durchscheint – freizusetzen. So gehört zu den Klassikern der Karte ein mit Entenleber-Terrine gefülltes Waffelquadrat, das in Anlehnung an HANUTA in einer Alufolie verpackt als ENLETA auf den Tisch kommt und mit einem Aromaessig des Pfälzer Doktorenhofs gepairt wird – ein Gänsehautgang, ebenso simpel und witzig wie exzellent. Apropos Klassiker – von denen gibt es bei den Sührings mehrere (neu) zu entdecken.

Lobster.

Manches schon als Küchengruß, anderes als Zusatzgang, mit dem sich das ohnehin schon recht umfangreiche Menü noch weiter ausbauen lässt. Vieles dabei ist inspiriert von der Kindheit der Sühring-Brüder, die sie zum Teil in der Lausitz verbracht haben – damals noch ein Teil der DDR – und der Rezeptsammlung ihrer Oma Christa; in Schönschrift in ein liniertes Schulheft eingetragen und von den Brüdern bis heute in Ehren gehalten. So ist ein Eierlikör nach Christas Originalrezept traditionell der Schlussakkord jedes Menüs. Das ist kein Kitsch oder nostalgischer Schnickschnack, das ist schlicht Ausdruck von Dankbarkeit und Respekt. 

Langoustine.

Doch wer bei Bismarckhering, Spätzle – bei den Sührings mit Perigord-Trüffel verfeinert – oder Labskaus an Deutsche Einfaltskost mit Sättigungsbeilage denkt, liegt komplett daneben. Vielmehr verstehen es die Zwillinge diese hierzulande bis heute oft plumpen, schweren und oft erschreckend lieblos behandelten Gerichte in hocharomatische, federleichte Haute Cuisine zu übersetzen, ohne sie freilich so weit zu verfremden, als dass man sie nicht sofort wiedererkennen würde.

Labskaus mit Kaviar.

Will man philosophisch werden, ist etwa das Labskaus der Sührings, das von einer großzügigen Nocke Imperial Beluga-Kaviar anstelle von Hering gekrönt wird, so etwas wie die Gestalt gewordene platonische Idee dieses norddeutschen Traditionsgerichts. Und so sind wir auch bei unserem zweiten Besuch im Januar 2026 aufs Neue begeistert. Aber keine Angst: auch Fans „internationaler“ Küche kommen bei kreativen Gängen wie King Crab mit Kastanien, Steinbutt mit Zwiebeln und Trüffel oder Hummer mit Kaki Frucht und Haselnüssen voll auf ihre Kosten.

Tafelspitz-Sülze,

Doch auch Weinfans werden im Sühring glücklich – unser Tipp: das Prestige-Wine-Pairing. Dabei landen aktuell u.a. Krugs Grande Cuvée 173ème Edition im Glas – die Zwillinge sind auch Krug Ambassadeurs – das großartige 2017er GG aus der Lage Uhlen Roth Lay von Heymann Löwenstein aus der Doppelmagnum, der sensationelle 2018er π-No des pfälzischen Paradeweinguts Ökonomierat Rebholz und ein Chambolle-Musigny 1er Cru “Les Charmes” von Amiot-Servelle. Beim Hauptgang hat man beim Prestigepairing dann die Wahl zwischen Le Petit Mouton, dem exzellenten Zweitwein des ikonischen Bordeaux-Chateaus und dem Supertuscan Ornelleia aus dem Spitzenjahrgang 2021. Von solch einem – wohlüberlegten – Staraufgebot können sich andere 3-Sterne-Restaurants gerne eine Scheibe abschneiden. Guten Appetit!

Text: Thomas Hauer

www.restaurantsuhring.com

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