Bevor wir den Vogel wahrnahmen, musste er schon unbestimmt lange auf seinem Beobachtungsposten gesessen haben. Still, von seinem gefiederten Körper scheinbar losgelöst, friedlich zwischen den Blättern eines gigantischen Baumes verharrend. Plötzlich wurde er durch etwas, das ihm ungewöhnlich schien, in die Wirklichkeit zurückgerufen. Der Tukan mit seinem riesigen, am Rand gesägten und prächtig gefärbten Schnabel zögerte noch ein paar Sekunden. Dann ergreift er mit ein paar raschen Bewegungen die Flucht vor uns Dschungelwanderern, jenen Eindringlingen, die an diesem Vormittag mit reichlich Insektenschutzmittel auf der Haut den Wald durchkämmen auf der Suche nach jenen Fotomotiven, für die wir um die halbe Welt geflogen sind und dann von der ecuadorianischen Hauptstadt Quito noch knapp drei Stunden mit dem Auto fuhren, um in den ewigen feuchtsatten graugrünen Nebel zu gelangen. Für drei Tage hatten wir Quartier bezogen in der Mashpi Lodge, einem Wildnishotel neuer Prägung, das einerseits pure Natur bietet und andererseits keine Abstriche macht an die Komforterwartungen einer großstädtischen Klientel.

Feuchtnebel durchziehen den Regenwald, der die Lodge umgibt.

Die Enttäuschung von uns Fotojägern währt nur kurz: Wenige Meter entfernt entdecken wir das Dunkelgrün feucht schillernder Orchideenblätter mit fast obszön wirkenden, pastellfarbenen Blüten. Die Kameras klicken, surren, piepsen. Zufrieden wandern wir weiter und bestaunen eine Vogelspinne, die der Guide mit seinen Späheraugen am Wegesrand entdeckt hat. Mit blanken Händen nimmt er das Tier hoch, dreht es um und lässt uns acht haarige Beine und ausgeprägte Beißzangen bestaunen.

Blick vom Yoga-Deck nach draussen.

Inzwischen hat sich ein feuchter Film auf unsere Haut gelegt, die Textilien sind nass – kein Deo der Welt besteht diesen durch Wärme und ein Übermaß an Luftfeuchtigkeit bestimmten Härtetest. Zum Glück gibt es in unserem Quartier eine tadellos gestaltete insektenfreie Dusche mit weichem, kühlen Wasser, das uns erfrischt, bevor wir in der luxuriösen Bar bei einem kühlen Drink Pläne schmieden für die Erkundungsgänge des nächsten Tages.

Der Expedition-Room ist elegant möbliert und beliebter Treffpunkt der Gäste.

Der Standort für die extravagante, mit riesigen Panoramafenstern ausgestattete Mashpi Lodge wurde perfekt gewählt.Sie liegt inmitten eines 1.300 Hektar großen Naturreservats mit einer einzigartigen Mischung aus Hoch- und Tiefland-Regenwald an den westlichen Andenausläufern. Farbenfrohe Sittiche, Kolibris, Schmetterlingen und eine große Anzahl wilder Säugetiere sind hier heimisch.

Beliebtes Ziel der Exkursionen ist ein sich in der Nähe befindlicher Wasserfall.

Während des Aufenthaltes können wir zusammen mit naturkundlich ausgebildeten Guides auf einem dichten Wegenetz Exkursionen zu Fuß in den Dschungel unternehmen. Besonderes Highlight: Von den Kabinen einer Schwebebahn aus lassen sich aus nächster Nähe die Baumkronen des dort vorherrschenden Primärregenwaldes beobachten. In dieser normalerweise unzugänglichen Höhe findet der aktivste Teil des Lebens der Dschungelbewohner statt. Wer nicht schwindelfrei ist, kann sich an den flatternden Schätzen der zur Lodge gehörenden Schmetterlingsfarm erfreuen.

Von der Kabine einer Schwebebahn aus lassen sich aus nächster Nähe die Baumkronen des dort vorherrschenden Primärregenwaldes beobachten.

Die Lodge besticht durch warme und helle Farben, klare Linien, viel Glas und eine minimalistische, aber moderne Ausstattung. Die drei Yaku-Suiten (46 Quadratmeter) und 20 Wayra-Zimmer (32 Quadratmeter) haben bodentiefe Glasfronten mit einem herrlichen Blick in die Natur und verfügen über ein eigenes Badezimmer – die Suiten zusätzlich über eine freistehende Badewanne von Philippe Starck.

Alle Wayra-Doppelzimmer bieten Naturholzmöbel und bodentiefe Panoramafenster.

Verschiedene Ruhezonen mit Panoramafenstern und ein zeitgemäßer Wellnessbereich mit Whirlpool, Sauna und türkischem Bad laden zur Entspannung ein. Die Stille ist himmlisch und entsprechend tief und erholsam der Schlaf. Nicht ohne Grund wurde die Anlage mit Preisen für ökologisch orientierten Luxustourismus überhäuft, unter anderem auch von National Geographic mit dem Siegel „Unique Lodges oft he World“.

Die Yaku-Suiten bieten eine freistehende Badewanne im Design von Phillipe Starck.

Der Amazonas-Regenwald von Ecuador ist eines der größten zusammenhängenden Ökosysteme der Erde. Beginnend im Süden von Panama erstreckt sich die Landschaft weiter nach Süden entlang der westlichen Flanken der Anden zur Pazifikküste durch Kolumbien und Ecuador hindurch.

Das elegant möblierte Restaurant.

Das Mashpi-Areal gilt als Schatzkammer dieses Gebietes und ist gottlob über das ganze Jahr hindurch gut zu bereisen. Und wie sich das an einem solch himmlischen, für gequälte Atemwege höchst angenehmen Ort gehört, setzt die Entspannung schnell ein, gewinnt das Gefühl von Zeit und Raum eine neue Qualität.

Das Gebiet um die Lodge herum ist ein Eldorado für Tierfreunde.
Ein Schmetterling aus nächster Nähe.

Während der nächsten Tage tauchen wir ein in die Geheimnisse der unberührten Wälder. Wir erforschen die Flora und Fauna und inspizieren kulturelle Überreste der ältesten Bewohner des ecuadorianischen Regenwaldes. Gummistiefel und wasserdichte Ponchos stehen aus guten Gründen für jeden Gast zur Verfügung.

Der pflanzenumsäumte Bau überzeugt durch eine lichte Architektur mit viel Holz und Glas.

Nachhaltigkeit wird in Mashpi groß geschrieben. Es gibt Ökoklopapier und Organic Food auf der Speisekarte; eine Fülle an exotischen Früchten sowie wunderbar schmeckender Kaffee und sämige Schokolade versüßen das Frühstück, bis es schließlich wieder hinausgeht zu den Rastplätzen der Tukane, voller Hoffnung, dass die Papageienvögel diesmal länger verharren und nicht wieder die Flucht ergreifen. 

TEXT//GEORGINA MORENO

 

FAKTEN

Unterkunft: 20 Zimmer der Kategorie Wayra auf 32 Quadratmetern mit einer Fensterfront sowie drei Suiten der Kategorie Yaku auf 46 Quadratmetern mit zwei Fensterfronten über Eck. Alle Räume bieten freien Blick auf den Dschungel.

Einrichtungen:Restaurant, Leseraum, Bar, Internetanschluss, WLAN und Spa-Bereich mit Whirlpool, Sauna und türkischem Bad, Schwebebahn zur Erkundung der Baumkronen, Orchideengarten, Schmetterlings-Farm.

Preise: Ab 1.098 US-Dollar pro Nacht für zwei Personen. Vollpension sowie ein täglich wechselndes Angebot an Ausflügen zur Erkundung des Urwaldes mit naturkundlich ausgebildeten Führern in kleinen Gruppen. Transfers ab/bis Quito inbegriffen.

www.mashpilodge.com

Sales +593 2 400-8088

Hotel +593 2 400-4100

info@mashpilodge.com